Tagebucheintrag

Reisetagebuch Italien 1786, 14. September 1786

d. 14 Nachts vor 1 Uhr von Malsesine ab, wegen des gutenWindes doch erst um 10 Uhr in Bartolino. Weil ich der kleinenschlechten Wirthshäuser und ihrer Theurung satt hatte eilt ichfort und, mein Gepäck auf ein Maulthier geladen, mich auf ein andres, kam ich gegen 1 Uhr d 14. Sept. in gewaltiger Hitze hierin Verona an, wo ich dir dieses noch schreibe. das zweyte Stückschliese, hefte und dann gehe das Amphiteater zu sehen. Von der Gegend kann man durch Worte keinen Begriff machen,es ist Ein Garten eine Meile lang und breit |: ich sage zu wenig :|, der am Fuß der hohen Gebürge und Felsen ganz flach in dergrößten Reinlichkeit daliegt. Nähere Beschreibung im folgendenStück. Noch ein Wort von meiner Seefahrt, sie endete glücklichund die Herrlichkeit des Wasserspiegels und des daran liegenden,besonders des Brescianischen Ufers freute mich recht im Herzen. Da wo an der Abendseite das Gebürg aufhört steil zu seyn und die Landschafft flächer nach dem See fällt, liegen anEiner Reihe in einer länge von ohngefähr anderthalb Stunden:Gargnano, Bojaco, Cecina, Toscolan, Maderno, Verdom, Saló.Alle auch meist wieder in die Länge gezogen. Ich endigte nicht von dieser Schönheit zu reden. Von Bartolino macht ich den Weg über einen Rücken der das Thal worinn der Adige fließt und die Vertiefung worinn der See liegt scheidet. Die Wasser von beyden Seiten scheinen ehmals hier gegeneinandergewürckt und diesen ungeheueren Kiesel Haufen hier aufgethürmt zu haben. Es ist fruchtbares Erdreich darüber geschlemmt,aber der Ackersmann ist doch von denen immer wiedervordringenden Kieseln geplagt. Sie haben eine gute art sie in die Höhe zu bauen und davon amWege hin, gleichsam sehr dicke Mauern anzulegen. Auch sehen die Maulbeerbäume wegen Mangel an Feuchtigkeitnicht so fröhlig auf dieser Höhe. An Quellen ist nicht zudencken, von Zeit zu Zeit trifft man Pfützen von zusammengeleitetemRegenwasser woraus die Maulthiere, auch ihre Treiber,den Durst löschen. Unten am Flusse sind Schöpfräder angebracht um die in der Tiefe liegenden Pflanzungen nach Gefallenzu wässern.

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