Brief
Von Salomon Maimon (2. September 1794)
Da sich G. bei J. F. G. Unger nach seinen Lebensumständen erkundigt und sogar zu ihrer Verbesserung Hoffnung gemacht und da M. seit K. P. Moritz' Tod keinen Freund gefunden habe, dem er sein Herz ausschütten könne, ergreife M. die Gelegenheit mit Vergnügen, G. hierinn zu willfahren. Kurze Schilderung seiner ärmlichen Lebensbedingungen. Bemerkungen zum beiliegenden "Versuch einer neuen Logik" (Ruppert 3098), worin M. die dogmatische Philosophie gänzlich verwerfe und selbst mit der kritischen eine beträchtliche Reformation vorhabe. Man könne sich leicht denken, wie dieses von den Anhängern beider Richtungen aufgenommen werden muß, was wiederum auf M.s äußere Umstände keinen geringen Einfluß habe. Auf kein öffentliches Lehramt kann ich auch keinen Anspruch machen. Begründung der Unmöglichkeit unter anderem mit seiner Liebe zur Unabhängigkeit von allen was die Wirksamkeit nach einer gewissen Norm einschrenkt. Beiliegend übersendet M. den Plan zu einer Arbeit, deren Zweck die Nachspührung des Genies in den wichtigsten Erfindungen in Künsten und Wissenschaften sei. Das Einzige also womit mir, in meinen jezigen Umständen gedient wäre, ist eine wenn auch kleine aber doch fixe Pension unter welchem Titel es will, nur muß es kein Amt seyn, wozu ich nicht tauglich seyn möchte.
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