Normalzeugnis Zeugnis

Italienische Reise. 13. 3. 1787 (WA I 31, 48)

Hier sind mir die Menschen alle gut, wenn sie auch nichts mit mir anzufangen wissen; Tischbein dagegen befriedigt sie besser, er mahlt ihnen Abends gleich einige Köpfe in Lebensgröße vor, wobei und worüber sie sich wie Neuseeländer bei Erblickung eines Kriegsschiffes gebärden. Hievon sogleich die lustige Geschichte: Tischbein hat nämlich die große Gabe Götter- und Heldengestalten in Lebensgröße und drüber mit der Feder zu umreißen. Er schraffirt wenig hinein und legt mit einem breiten Pinsel den Schatten tüchtig an, so daß der Kopf rund und erhaben dasteht. Die Beiwohnenden schauten mit Verwunderung, wie das so leicht ablief, und freuten sich recht herzlich darüber. Nun kam es ihnen in die Finger auch so mahlen zu wollen; sie faßten die Pinsel und – mahlten sich Bärte wechselsweise und besudelten sich die Gesichter. Ist darin nicht etwas Ursprüngliches der Menschengattung? Und es war eine gebildete Gesellschaft, in dem Hause eines Mannes Venuti, der selbst recht wacker zeichnet und mahlt. Man macht sich von diesem Geschlecht keine Begriffe, wenn man sie nicht gesehen hat.

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