Normalzeugnis Zeugnis

Knebel an Caroline Herder 13. 12. 1795 (*Prß. Jbb. 43, 170; SB Berlin, PrK, Herder XXXVII 118)

Es ist mir lieb, liebe Frau, daß Sie mir Gelegenheit geben Ihnen ein Wort zu sagen, das ich so lange zu thun aufschob, weil ich es in Gegenwart unsers guten Herders nicht thun sollte noch wollte. Es kommt nemlich jetzt alles nicht auf Worte noch Schreiben, sondern darauf an, daß Ihnen wirklich geholfen werde, zum Unterhalt und fernern Fortkommen Ihrer so lieben Kinder. Vergessen Sie Selbst alles was vorgefallen ist, denn die Sache läßt sich nicht psychologisch ausmachen, und so weit bin ich mit G. überein, daß er gewiß beytragen wird, Ihnen eine gewisse Summe von dem Herzog zu verschaffen. Solche sey nun etwa 1000. oder 1200. Thaler. Denn NB. und darinn müssen Sie und werden Sie auch in den Gesichtspunkt von G. eingehn, er erkennt, obgleich nicht in denselben Ausdrücken u. Worten, die Lüderlichkeit der Wirthschaft vom Herzog. Er sagte mir vor 8 oder 10 Tagen, daß er überzeugt seye, das gegenwärtig in allen Cassen des H. nicht 5. oder 600. rh. baar zu finden seyen. Da helfen also alle Sentiments nichts; die Sache ist durchgebracht, und man muß, wenn Nothwendigkeit u. Umstände es erfodern, blos auf Gelegenheit lauern. So versteht es eigentlich G. und aus diesem Gesichtspunkte sieht er es an. Kurz und gut, er meynt, Sie sollten Ihre Anfoderung an den Herzog auf eine gewisse Summe fixiren, die der oben von mir benannten gleich ist, und dann bitten, daß man sie Ihnen in Terminen ausbezahlen möchte. NB in eben der Rücksicht, weil das Geld effektive so selten da ist, und es blos darauf ankomme zu lauern, ob u. wann welches vorhanden seye – welches letztere er dann auf sich nehmen wolle. Ich glaube sie sollten also die Sache so suchen, entweder durch mich oder durch Sich Selbst bey ihm – weil ich doch von seinem guten Willen gegen Sie und Ihre Familie hierinnen von ihm überzeugt bin – und nun machen, daß Sie 5. oder 600 rh. gegen das Neue Jahr, und die andre Hälfte gegen Ostern ausgezahlt kriegten. So weit bin ich ohngefehr letzthin mit ihm überein gekommen, und er hat mir nach seiner Art zugesagt, hierinnen so viel möglich beyzustehen.

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