Brief
Von Karl Ludwig von Knebel (8. Dezember 1795)
K. habe K. Herder G.s Ansicht begreiflich zu machen gesucht. Sie meine, da der Herzog durch eine Art von Pakt die Sorge für ihre Kinder übernommen habe, so seien 300 Reichstaler, für jedes von 4. Kindern gerechnet, [...] bey dermaligen Zeiten nicht sehr bedeutend. Sie wolle sich jedoch fürs erste damit befriedigen und wünsche je 600 Reichstaler zum Neuen Jahre und auf Ostern ausbezahlet. Außerdem bitte K. Herder, die Familie etwa im Verlauf von zwey Jahren noch mit 800. andern Thalern zu unterstützen, zumal sie zur Erhaltung des Lebens von ihrem Manne, das nächste Jahr durchaus eine Badreise mit ihm vornehmen müsse. Sie habe sich nicht getrauet, hierüber mit Herder zu sprechen; und freylich mag es dem, der uns die Schäze der Wissenschaften aufgräbt zu verzeihen seyn, wenn es ihm widrig wird zu sorgen, wo er das Eisen hernehme um das Gold zu erscharren.
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