Brief
Von August Wilhelm Schlegel (10. September 1803)
Freude über G.s Brief, zumal S. gefürchtet habe, daß Mißtrauen die Ursache von G.s Stillschweigen gewesen sein könnte. - Über die Versetzung C. G. Schütz' und die Verlegung der ALZ nach Halle: Wahrscheinlich sei Kotzebue durch seine Verbindung mit Beyme daran beteiligt. Kritik an der preußischen Wissenschaftspolitik, die es vorziehe, auswärtige Kräfte heranzuziehen. Die ALZ habe dem Ausland ein so entstellendes Bild unserer Literatur gegeben, daß ihr Ende herbeigeführt werden müsse. Einem Konkurrenzunternehmen unter G.s Einfluß sage S. seine Teilnahme zu. Vermutung, daß die bisherige Form eines gelehrten Tageblattes beibehalten werde, so daß kein kritisches Institut im Ganzen nach wissenschaftlichen Ideen zu ordnen sei, es vielmehr nur um Beurtheilungen einzelner Bücher gehe. G. möge ihm zu rezensierende Bücher vorschlagen. Da beynahe alles bedeutende, was erscheint, von Personen herrühre, die S. nahestünden, wünsche er zu wissen, im wievielsten Grade der Verwandtschaft das Recensiren erlaubt seyn soll. Er sei bereit, J. H. Voß' "Zeitmessung der deutschen Sprache" (Ruppert 722) zu beurteilen, wolle aber nicht auf dessen "Lyrische Gedichte" (Ruppert 1182; vgl. G., in: JALZ 1804, Nr. 91f.) eingehen. Vorschlag, eine Anzahl Beurtheilungen von bedeutenden, in der bisherigen Lit. Zeitung übergangnen oder ganz unwürdig angezeigten Schriften, gleich anfangs zu geben, zumal die ALZ die Verbreitung alles Reellen und Duchgreifenden auf diese Weise zu hindern gesucht habe. Als Mitarbeiter schlägt S. seine Freunde Schleiermacher und A. F. Bernhardi vor. Schleiermacher, der als Hofprediger in Stolpe lebe, sei durch seine Reden "Über die Religion" (Berlin 1799) bekannt und habe schon im "Athenäum" (Ruppert 278) rezensiert. Demnächst erscheine sein Werk "Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre" (Berlin 1803). Er könnte auch auf den Gebieten der Philosophie, Theologie und Kunstkritik mitarbeiten. Bernhardi, Verfasser einer "Sprachlehre" (Berlin 1801-1803) sei mit philosophischer Grammatik und Kunsttheorie beschäftigt. - S. habe seine "Blumensträuße italienischer, spanischer und portugiesischer Poesie" (Ruppert 1655) fertiggestellt. Ankündigung des 2. Bandes des "Spanischen Theaters" ("Schauspiele von Don Pedro Calderón de la Barca", Ruppert 1720). S. wolle auch die Shakespeare-Übersetzung (Ruppert 1522) fortsetzen, um dann ein historisches und kritisches Werk darüber zu schreiben. Er sei auch zur Fortsetzung seiner Vorlesungen ("Geschichte der romantischen Literatur") und - von H. Frölich - des "Athenäums" aufgefordert worden. - S. wolle seinem Bruder G.s Andenken bestellen. Dieser habe sich in Paris außer dem Persischen nun auch des Sanscritanischen bemächtigt. - Fichte arbeite an seinem Elementarwerk ("Die Wissenschaftslehre in ihrem allgemeinen Umriß", Berlin 1810).
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- Shakespeare, William
- Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst
- Bernhardi, Johann Christian August Ferdinand
- Fichte, Johann Gottlieb
- Schlegel, Friedrich von
- Calderón de la Barca, Pedro
- Kotzebue, August Friedrich Ferdinand
- Johann Heinrich Voß
- Schütz, Christian Gottfried
- Eichstädt, Heinrich Karl Abraham
- Beyme, Karl Friedrich
- Frölich, Heinrich
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