Brief
Von Karl Gustav von Brinckmann (4. Oktober 1803)
B. erklärt die späte Beantwortung von G.s Brief, den er erst im September erhalten habe. Der Überbringer, G. F. C. Sartorius, sei lange in Wien geblieben. Auf dessen Rückreise über Weimar hoffe B., sich durch diese par Worte bei G. in Erinnerung zu bringen. - Vor kurzem habe B. dem Baron von Lagerbjelke, der König Gustav IV. Adolf von Schweden auf seiner Deutschen Reise begleite, Empfehlungen an G. aufgetragen. - B. sei so glücklich bei G. gewesen. Er habe hernach in der brennenden Sandwüste der Französischen Ueberkultur nicht geruht, bis er sich wenigstens wieder auf deutschem Boden habe ansiedeln können. - Verurteilung seiner schwedischen Landsleute und deren Überbewertung des Französischen als Gipfel der Kultur. Sprache und Charakteranlagen der Schweden seien unverkennbar urdeutsch. Hinweis auf die vorzüglichsten Skarrons (vgl. P. Scarron), unter denen König Gustav III. von Schweden obenan stehe. Zu der Vermutung, B. würde alles Ächtschwedische verachten; dabei bemühe er sich, korrekt u. klassisch zu sein. Über B.s Einteilung Europas in das, was schon u. was noch nicht zu Frankreich gehöre, über deutsche u. eine Nichtdeutsche Geistes- und SittenAusbildung. Durch die Lektüre von Originaltexten könne jeder vollendete Deutsche den Ausländer, auch in seinen feinsten Nüanzen begreifen. G. könnte den Voltär konstruiren, während der alte Sünder [...] nicht Eine Zeile vom Faust kapirt haben würde. Die Franzosen würden den esprit allemand gern en masse betrachten. Selbst der geistreichen Stael habe B. schwer genug begreiflich machen können, daß kein Volk, u. keine Literatur so viel Individuen hätte, als die Deutschen. Allerdings habe B. nicht den Mut gehabt, das ganze Kapitel sur la literature Allemande in ihrem Manuskript durchzustreichen, sondern habe es nur gekürzt. Erwähnung von J. F. W. Zachariä. - Über das Berliner Kulturleben: Jedes Interesse sei nur zufällig u. augenblicklich. Kotzebues "Hussiten vor Naumburg" und G.s "Natürliche Tochter" seien für das Publikum nur - 2 neue Stücke, A. W. Schlegel und G. H. Merkel zwei gleichrüstige Vorsteher eines belustigenden Hahnengefechts. Aber dem Vortreflichen wird wenigstens auf keine Weise, wie einst in Frankreich, en masse entgegengearbeitet. Über echten Götheanismus und die Verehrung G.s im Kreise K. F. von Bergs und deren Tochter, Gräfin von Voß, sowie über auftretende Intoleranz. Auf die Frage einer geistreichen Freundin nach G.s wirklicher Meinung über die neue Schule und F. Schlegels "Alarkos" im Vergleich zur "Iphigenie" und "Torquato Tasso" habe B. mit einem Zitat aus Ilias XI geantwortet: ,Alle tadelten sie den schwarzumwölkten Kronion [...]'. - Entschuldigung für die Länge des Briefes und Huldigung an G.
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- Voltaire
- Homer
- Schubarth, Karl Ernst
- Merkel, Garlieb Helwig
- Scarron, Paul
- Lagerbjelke, Gustaf
- Schlegel, August Wilhelm von
- Schlegel, Friedrich von
- Staël (S.-Holstein), Anne Louise Germaine de geb. Necker
- Kotzebue, August Friedrich Ferdinand
- Schweden, Gustav IV. Adolf König von
- Berg, Karoline Friederike von geb. von Haeseler
- Zachariä, Justus Friedrich Wilhelm
- Voß, Luise Gräfin von geb. von Berg
- Sartorius, Georg Friedrich Christoph von
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