Normalzeugnis Zeugnis

Böttiger, Lit. Zustände 1, 65

(Den 28. ? Mai 1797 in Jena.) Goethe hat die Idee, Bernhard’s von Weimar Biograph zu werden, wozu er große Sammlungen angelegt und unter andern von Gotha, wo das Meiste darüber ist, ganze Kisten voll Acten erhalten hatte, völlig aufgegeben. Seine Sammlungen hat er theils dem Geheimenrathe Voigt, theils dem Professor Woltmann abgetreten. Letzterer ist fest entschlossen, das Werk nach Goethe’s Plan auszuführen. Bernhard’s Größe bestehe weit weniger in Thaten, als in großen Entwürfen, in Visionen eines Reichs, das ihm sein Heldenmuth erwerben solle. Von dieser Seite müsse also der Biograph Interesse in das Leben zu bringen und mehr Das zu beschreiben suchen, was er thun wollte, als was er gethan hat. Man denke an Vogt’s Gustav Adolf oder die deutsche Republik Anm. K. W. Böttigers: Dies Urtheil, es mag herrühren, von wem es will, ist jedenfalls zu einseitig .... Goethe arbeitet seine Gedichte alle erst im Kopfe aus, wo er sie fest eingeprägt mit sich herumträgt. Sind sie so weit vollendet, läßt er sie niederschreiben, und da kann er die niedergeschriebenen noch acht Tage lang feilen und verbessern. Dann ist es ihm aber unmöglich, wieder dazu zurückzukehren. Sie sind ihm gleichsam zum Ekel geworden und es kostet ihm die größte Überwindung, noch einmal auf sie zurückzukommen. Ganz anders bei Wielanden ... Jeder Mensch hat einen chien à tondre, wie es die Franzosen nennen, sagte Goethe Schleußnern, der sich Reinhard’s Reichardt’s annahm. Man hat ja wohl selbst etwas der Art, aber man spricht nicht gern davon. Die Geschichte mit den Sachsenhäusern, die über den Exstudenten herfielen, der auf ihrer Gasse wetzte, ihn aber herzlich bedauerten, als sie hörten, er sei voll süßen Weines.

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