Brief
An Christiane Vulpius (22. Mai 1798)
Diese ersten Tage habe ich zwar noch nicht das rechte, aber doch schon mancherley gethan und da es hauptsächlich darauf ankommt daß ich vieles in Ordnung und in Gang bringe, so ist mein jetziger Zustand ganz günstig. Wenn ich nur erst vier Wochen unablässig so fortgearbeitet habe, so wird alles schon anders aussehen. Grüße Freund Meyer und sag ihm daß ich unsere gemeinschafftlichen Arbeiten vorgenommen durch- und überdacht habe und daß die Sache bald in Gang seyn wird. Eine allgemeine Uebersicht wird er finden, wenn er herüber kommt.
Wegen der Nahrung geht es nicht ganz so gut. Da Schillers im Garten wohnen, muß ich sehen wie ich es mit der Trabitius mache, ich wollte es im Ballhaus probiren / es ging aber nicht. Ich will indessen schon sehen wie ich zu recht komme, sey nur so gut und schick mir ein Fläschchen von unserm gewöhnlichen Oel zum Sallat. Denn das beste hier ist nicht essbar.
Das Wetter wird bey euch auch noch immer regnig seyn, ich habe noch kein Pyrmonter getrunken.
Grüße den kleinen. Heute früh wurden in der Mühllache Schafe gewaschen, da hätte ich ihn wohl zu mir gewünscht.
Lebe wohl und sey fleißig, ich hoffe dir auch bald Nachricht zu geben daß meine Geschäffte gut gehen.
Jena am 22 May 1798.
Ersuche doch Herr Meyern daß er mir ein kurzes Verzeichniß schickt: mit welchen Materien, die in unserm Werke abgehandelt werden sollen, er vor Ende dieses Jahrs fertig zu werden glaubt?
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