Brief

Von Christoph Ludwig Friedrich Schultz (13. bis 16. September 1820)

1820 September 13 Dank von S. und seinen Reisegefährten (K. F. Schinkel, C. Rauch und F. Tieck) für den angenehmen Aufenthalt in Jena (vom 16. bis 21. August). Sehnsüchtig erwarte man von dort die Sendung von P. Kaufmann (mit den Formen der von Rauch und Tieck gefertigten Büsten G.s). Diese Arbeiten hätten bei den unendlich zahlreichen Verehrern G.s in Berlin lebhafteste Teilnahme ausgelöst, augenblicklich seien beide mit einer Statue G.s und einer des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. beauftragt worden. - Persönliche Nachrichten; dabei erwähnt: K. vom Stein zum Altenstein, S.s Frau und die Geburt seiner Tochter (Lisena am 11. September) sowie S.s Nachricht darüber an O. von Goethe als ein gutes Zeichen für ihre liebe Hoffnung (Geburt von Wolfgang am 18. September). - G. möge sich bitte für einen künftigen Besuch H. Meyers in Berlin einsetzen. - Schinkel danke G. für die ihm über S. anvertraute Aufgabe, das Motiv vom entstehenden korinthischen Kapitell zu erarbeiten; erwähnt: die Erzählung darüber (Vitruv "De Architectura" IV 1). 1820 September 16 G. erhalte hiermit Schinkels Antwort auf G.s Äußerungen über dessen gesprengtes Grab (Zeichnung für die Ausgestaltung des Bibliothekssaals in Jena). Bitte um G.s Unterstützung bei der Formulierung der Inschrift für das neue Schauspielhaus in Berlin. Mit der fahrenden Post erhalte G. ein neues Ansichtsblatt vom Theater in getuschter Manier, A. Mantegnas Kupferstich den Senat vorstellend aus seinem Zyklus "Triumphzug des Julius Cäsar" (vgl. G.s Aufsatz in: "Über Kunst und Altertum" IV 1 und IV 2) und ein ebenso altes, fehlerhaftes Blatt mit dem Kupferstich "Mars und Venus" von Marcanton nach Mantegna; erwähnt: A. Andreani. Reflexionen über den Fehler; dabei erwähnt: das Gemälde "Der Borgobrand" (von Raffael), G. Volpato, G. B. de Cavalieri und J. J. Sandrart. - Nach B. Thorvaldsens kurzem Aufenthalt schätze S. ihn mehr als bisher. - Zu den von J. Raabe in Italien angefertigten Kopien, die zur Kunstausstellung gelangen würden: "Die Aldobrandinische Hochzeit" zeige, daß vermutlich die neueren Reinigungen dem Gemälde hinsichtlich exakter Ausführung und Farbgebung geschadet hätten. Aus den Bildchen nach P. da Cortona erkenne man, daß Raabe an manchen Schwachheiten dieser Kopien Schuld sei. - Über G.s Aushängebogen "Zur Naturwissenschaft überhaupt" (I 3): der Abschnitt XIV ("Umwandlung durch trübe Mittel" in der Abhandlung "Entoptische Farben") enthalte das größte Geheimniß. Es sei an der Zeit, die Sache in's Ganze zu überarbeiten (vgl. S. "Über physiologe Farbenerscheinungen", in: "Zur Naturwissenschaft überhaupt" II 1). G.s "Farbenlehre" werde nach ihrer Veröffentlichung vor zehn Jahren endlich anerkannt.

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