Brief

Von Christian Ernst Friedrich Weller (3. August 1818)

W. übersendet vier der 21 von J. Papadopulos erhaltenen Exemplare seiner Übertragung von G.s "Iphigenie" ins Neugriechische (Ruppert 1853). Papadopulos freue sich, G. wieder zu sehen und zu sprechen. - Die Studenten hätten bei Großherzog Karl August für die Relegirten nichts erlangt, im Gegentheil derbe Verweise bekommen. H. von Gagern habe sich an die Spitze der Altdeutschen gestellt und gestern von den Antagonisten drei nicht unbedeutende Stiche erhalten. Bei F. Asverus und H. K. A. Eichstädt seien die Fenster wieder einige malen in Bewegung gesetzt worden. - Anmerkung zu Witterung und Ernte; Obst sei in Menge zu haben. - Die Professoren, die W. gestern bei H. Luden getroffen habe, freuten sich, daß C. W. Schweitzer diese Stelle in W. (im Staatsministerium in Weimar) erhalten habe; erwähnt: J. C. Hasse und D. G. Kieser sowie L. D. M. Lavés, bei dem Schweitzer das Französische angefangen habe. - Über den Besuch der Vettern J. J. Tengström und J. M. von Tengström aus Abo, die W. zu J. G. Lenz und in den botanischen Garten geführt habe. - Es scheint jetzt auf allen Universitäten Deutschlands unruhig zu zugehen: Auszug von 800 Studenten in Göttingen, Unruhen in Erlangen, Heidelberg, Würzburg etc., rigoroses Vorgehen gegen die neu entstandene Burschenschaft in Leipzig. Die Turner der benachbarten Universitäten und Schulen kämen alle jetzt in Erfurt zusammen und wollten heute, als den [...] Geburtstag des Königs von Preußen [...] einen allgemeinen Cartell schließen. [...] Die Turner von Jena spielen natürlich die Hauptrolle mit dabei [...]. - Über die Feier des Geburtstags B. von Knebels am 25. Juli: Dieser lasse für das schöne Feuerwerk danken; [...] die Racketen stiegen ganz vortrefflich. Die benachbarten Gärten und das Paradies waren voller Zuschauer; erwähnt: Frommanns, J. und P. Roux, (? J. C. und K.) Stark, A. Pallard, Ernst von Schiller, F. Nicolovius, K. F. Bachmann, (L. oder W.) von Kleist, J. C. F. Körner und der Öhlmüller. Die Franklin-Büste habe den von G. bestimmten Kopfputz (Kränze) erhalten. Spielsachen aller Art fand sich ein, darunter Soldaten von den Prinzessinnen Maria und Augusta. - K. L. von Knebel möchte wissen, ob Friedrich Schlegel beim Fürsten Metternich wäre. Er habe sich fürchterlich geärgert, weil F. Frommann neulich gesagt habe, der Fürst M. wollte den Fr. Sch. nun ganz allein für sich behalten. - Empfehlungen vom Knebelschen Haus mit besten Wünschen für G.s Badeaufenthalt sowie Empfehlungen von J. G. L. Kosegarten, G. G. Güldenapfel und Lenz. - Weitere Nachrichten: feierlicher Kirchgang der Erbgroßherzogin Maria Pawlowna am Sonntag (9. August, anläßlich der Geburt des Prinzen Karl Alexander), Ankunft der Commissarien (K. Conta und K. von Hoff) in Jena am 10. August und deren Quartier bei G. J. W. Salzmann, Fortgang der Arbeiten in und außerhalb der Bibliothek, Rückkehr von Justizrath A. Schnaubert und Hasse aus dem Bade, Kauf des unglückseligen Hauses von Schweitzer durch K. von Lyncker. Die Großherzogin habe sich beim Siegeln eines Briefes eine Verletzung zugezogen.

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