Normalzeugnis Zeugnis
J. G. Forster an F. H. Jacobi 10. 10. 1779 (Huber2 1, 225)
Vor vier Wochen war Göthe, nebst dem Kammerherrn von Wedel und dem Oberforstmeister von Wedel bei mir. Ich soupirte mit ihnen, ohne zu wissen, daß der letztgenannte der Herzog von Weimar wäre. Zum Glück bewahrte mich mein guter Genius, daß ich ihm keine Sottise sagte, wiewohl ich von großen Herren überhaupt mit großer Freimüthigkeit sprach. Ich wette, es hat Göthe’n Mühe gekostet, bei einigen Gelegenheiten über meine Treuherzigkeit nicht loszupruschen. Den Tag darauf besahen sie den Garten zu Weißenstein; ich sollte die Partie mitmachen, allein ich war zu sehr beschäftigt. In der Zwischenzeit erfuhr ich, daß der Herzog in der Gesellschaft sey. Den andern Morgen kam Göthe wieder zu mir, und der Kammerherr bald hernach, wir gingen zusammen nach dem landgräflichen Cabinet der Alterthümer und der Kunstkammer, wohin der Herzog sich nachher auch begab. Ich mußte bei ihnen bleiben und mit ihnen speisen, und gleich nach frühe eingenommenem Mittagsmahl reisten sie davon. Da sich Göthe anfangs nicht genannt hatte, so kannte ich ihn nicht, und – erkundigte mich nach ihm, – bei ihm selbst. Sie kennen ihn, und wissen, was es für ein Gefühl seyn kann, ihn kaum eine Stunde lang zu sehen, nur ein paar Minuten lang allein zu sprechen und als ein Meteor wieder zu verlieren. Sagen läßt sich das nicht. Von Ihnen haben wir viel gesprochen, er bat mich, Sie recht herzlich zu grüßen. Ist mir recht, so haben Sie bei ihm eine Antwort zu gut. Der Herzog hat mir gefallen. Er frug sehr viel, und doch keinmal albern; gewiß, das heißt alles mögliche prästiren.
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