Brief

Von Johann Heinrich Meyer (22. bis 24. November 1795)

1795 November 22 M. hoffe, daß G. seinen Brief von Mantua, den er durch Abbate J. Andres und J. I. Gerning übersandt habe (vgl. RA 1, Nr. 1471), sowie einen anderen mit Beygelegter Beschreib. vom Rathhaus in Nürnberg empfangen habe. - Zu M.s Reisestationen über Cremona nach Piacenza und Bologna. In Piacenza habe er Bemerkungen zu den Malereien G. F. Guercinos in der Kuppel des Domes sowie zu den "Pferden" von Giovanni da Bologna gesammelt. Aus Bologna nennt er die Bilder zu St Giov. in Monte (von L. Costa d. Ä. und Guercino), den Neptun der Fontana pubblica von Giovanni da Bologna sowie die Reste des Klosters zu St Michele in Bosco, das eines der schönsten Monumente der Kunst L. Carraccis darstelle. - ln Rom sei M. vom Abbate Andres, einem Exjesuiten ohne ästhetischen Sinn, enttäuscht worden. Doch habe er durch ihn neben der Gräfin Zinzendorf die Gräfin Mangiagutti kennengelernt, die Tochter des Marchese Gualtieri, der Kartons von Malern der Florentinischen Schule besitze. - A. L. Hirt arbeite an Schriften für Schillers "Horen". Auch M. sende demnächst seine geplanten Briefe für die "Horen". - C. F. Hecker und der englische Maler Durno seien im Frühjahr 1795 verstorben. - Über die Reisekosten. 1795 November 24 Würdigung neuerer Gemälde von A. Kauffmann. Eine nunmehr erworbene Landschaft von N. Poussin erinnere ihn leider an Gegenstücke, die kürzlich verlorengegangen seien. Auch sonst fühle er sich als ein zweyter Laurentius wie geröstet und gebraten von allen den schönen Meynungen oder vielmehr Irrthümern, die er zu hören bekomme. So halte z. B. eine Lesegesellschaft Roms die "Horen" und die "Allgemeine Literaturzeitung", und da man M. als Urheber des Artikels "Ideen zu einer künftigen Geschichte der Kunst" (vgl. "Horen", 1795, 2. Stück) erkannt habe, werde er schlecht angesehen. Auch habe die Schrift "Über den Raub der Cassandra auf einem alten Gefäße von gebrannter Erde" (Ruppert 2090) M. nicht empfohlen; aber K. A. Böttiger ist berühmt. Darum fürchte sich M., jemandem etwas z. B. v. der Farbenlehre zu entdecken. - Bald werde er von Hirt das Manuskript für die "Horen" bekommen. Bitte, inligendes Böttiger zu geben, um wenigstens die Zeichnung von diesen Dingen zu erhalten.

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