Normalzeugnis Zeugnis
An F. H. Jacobi 9. 9. 1793 (WA IV 10, 106)
Auf deine Anfrage wegen Max muß ich dir eilig und nur vorläufig antworten. Ich habe mich genau nach ihm erkundigt, ihn selbst gesehen und gesprochen und finde daß du keine Ursache hast besorgt zu seyn.
Seine Studien treibt er wie es zu Anfange zu gehen pflegt wo man noch nicht weiß wo es hinaus soll. Was ihm einen Begriff giebt interessirt ihn wie billig, weniger das was eigentlich nur Vorbereitung auf ein künftiges seyn kann. Litterargeschichte hat er mit Eifer und Freude gehört, Botanick anfangs auch, zuletzt wollte ihm das vorzählen und analysiren der Pflanzen nicht behagen, vielleicht hat der Lehrer einige Schuld, es ging mehr iungen Leuten eben so. Osteologie hat er gehört wie man sie zum erstenmal hören kann. Von dem übrigen nächstens.
Sonst versichert man mir er bereite sich auf seine künftige Studien fleißig vor im Gespräch und durch Lesen. Vielleicht verfällt er auch hier in den Fehler der meisten jungen Ärtzte, daß er zu geschwind ans Ziel will. So hab ich ihn Gaubius Pathologie neulich lesen sehen wie er bey mir war ...
Seine Gesellschaft ist eingeschränckt. Reinhart, an dem er sehr hängt, soll ein edler guter Mensch seyn, der Kenntniße besonders im litterarischen Fach hat ...
Dazu kommt noch Maxens Hinderniß am Gehör, das ihn verhindert an größerer Geselligkeit theil zu nehmen. Unter mehreren ist er stumm und zurückgezogen da er mit wenigen gar frey, verständig ja sogar munter ist.
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