Brief
Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (22. September bis 24. November 1820)
1820 September 22 Stuttgart Freude über die Nachricht, daß C. Rauch bei G. bereits eine Büste modelliert habe. Der Frankfurter Denkmalsverein habe Rauch am 28. August wegen der bey Dannecker eingetretenen Hinderniße (Erkrankung seiner Frau) offiziell als Bildhauer beauftragt. - Zum übersandten Entwurf des Denkmals (B. "Vorschlag zu einem Denkmal für Göthe"): B. erwarte G.s Kritik. Die für das Basrelief vorgesehene Lampe solle nicht Nachtarbeit, sondern das stille friedliche, immer fortwürckende Licht des Geistes symbolisieren. Überhaupt sei der Entwurf ein erster Vorschlag, der einer weiteren Überarbeitung bedarf. - B. sei G.s Gelegenheits-Gedicht ("Zwar die vierundzwanzig Ritter ...", WA I 4, 43, auf den Geburtstag L. von Ziegesars), das durch die von B. übersandten Kupferstiche der Waldstein-Medaille (gestochen von H. Walther nach A. M. de Gennaro; vgl. RA 9, Nr. 391) angeregt worden sei, überaus angenehm. Dank für die Übersendung des Gedichts. - Freude bei G. Schwab und B. über G.s Absicht, von der Bearbeitung der drei Königs Legende Nachricht zu geben (in: "Über Kunst und Altertum" II 2). B. werde nach seiner Rückkehr sowohl einen kleinen Aufsatz von Schwab als auch G.s Handschrift (Johannes von Hildesheim "Liber de translatione trium regum", Ruppert 2673) senden. - G. F. Jäger habe B. "Saggio teorico-pratico sulle malattie delle piante" von Conte F. Re gezeigt und wolle das Buch auch G., falls dieser es noch nicht kenne, zur Einsicht überlassen (vgl. G.s Tagebuchnotiz vom 26. Juli 1816). - In Berlin plane man neuerdings wieder den Ankauf der B.schen Gemäldesammlung, um sie mit der von E. Solly zu vereinigen; erwähnt: K. F. Schinkel. - N. Strixner wolle das lithographische Werk über die B.sche Sammlung herausgeben (vgl. "Die Sammlung Alt-, Nieder- und Oberdeutscher Gemälde der Brüder ... Boisserée und Johann Bertram") und dafür sogar das Werck von der Münchener Gallerie ("Königlich Bayerischer Gemäldesaal zu München und Schleißheim") verlassen. 1820 Oktober 31 Paris B. sei seit vier Wochen in Paris und habe sich nicht melden können, deshalb schicke er den in Stuttgart begonnenen Brief nun ab. - Die Arbeiten für das DomWerck ("Ansichten, Risse ... des Doms von Köln") verliefen erfolgreich. - Dank der Hilfe A. von Humboldts habe B. in Paris günstige Aufnahme gefunden. Dieser habe G. die lezterschienene Abtheilung seines Werks noch nicht übersandt, da er sie mit der sehr bald nachfolgenden zusammenschicken wolle (? Lfrg. 17f. der "Nova genera et species plantarum", Bd. 4, mit A. Bonpland). - Humboldt habe B. mit A. C. Quatremère de Quincy bekannt gemacht; dieser habe B. in der Academie des beaux Arts vorgestellt. Dort sei das Domwerk mit dem ausgezeichnetsten Beifall aufgenommen worden. - Unter den Pariser Künstlern zeichneten sich F. de Gérard und C. Vernet aus. B. hoffe, für G. einen Umriß von Gérards "Corinna auf dem Vorgebirge Miseno" zu beschaffen; erwähnt: der Roman, woraus es genommen ("Corinne ou l'Italie" von G. de Staël). Das Gemälde sei für Prinz August von Preußen gedacht. 1820 November 24 B.s Brief sei wegen des plötzlichen Todes von H. Schlosser, der Frau von C. Schlosser, den B. gleichsam unter seinen Augen erlebt habe, unterbrochen worden; erwähnt: J. Gontard und die Gräfin Custine sowie Bezugnahme auf das Sprichwort Der Mensch denkt, Gott lenckt (nach AT, Die Sprüche Salomos 16, 9). - B. wolle Paris Mitte nächster Woche verlassen. Wie M. Boisserée schreibe, werde B. in der Denkmalangelegenheit bei seiner Rückkehr manches angenehme vorfinden.
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