Brief
Von Friedrich Schiller (7. bis 8. September 1797)
Nachdem sich S. gesundheitlich lange nicht so schlimm befunden habe, gehe es ihm gegenwärtig wieder besser. - Der Druck des "Musenalmanachs" für 1798 schreite so gut voran, daß die Exemplare noch im Oktober versandfertig sein könnten. Mit dem Ibycus habe ich nach Ihrem Rath wesentliche Veränderungen vorgenommen. G.s Hinweis in Rücksicht auf die Entwicklung könne S. jedoch nicht verwirklichen. Ausführliche Begründung seines Standpunktes. Im Augenblick prüfe Böttiger, ob sich in der Ballade nichts mit altgriechischen Gebräuchen im Widerspruch befinde. Im "Musenalmanach" für 1798 werde G. auch A. W. Schlegels Ballade "Arion" finden. Schlegel wolle auch das Drama "Sakuntala oder der Erkenntnisring" (von Kalidasa) als Ballade bearbeiten. - Das sentimentale Phänomen in G. befremde S. gar nicht. Es sei ein Bedürfniß poetischer Naturen und des menschlichen Gemüts überhaupt, so wenig Leeres als möglich um sich zu leiden, soviel Welt, als nur immer angeht, sich durch die Empfindung anzueignen. Ausführliche Erörterungen dazu. - Cotta habe ihm mitgeteilt, daß sich G. in Stuttgart befinde. S. könne sich G. dort nicht vorstellen, ohne gleichfalls in eine sentimentale Stimmung zu gerathen. Was hätte ich vor 16 Jahren darum gegeben, Ihnen auf diesem Boden zu begegnen [...]. - G. möge mitteilen, wohin seine Exemplare des "Musenalmanachs" für 1798 zu schicken seien. Dank für G.s geplanten Beitrag für die "Horen". - S. freue sich, daß sich Hölderlin doch noch bei G. vorgestellt habe. Von J. D. Gries, der sein Gedicht "Phaëthon" für den "Musenalmanach" für 1798 geliefert habe. - Ihr Kleiner höre ich ist ganz wieder hergestellt.
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