Brief

Von Nikolaus Meyer (23. Februar 1816)

Bedauern über einen nicht zugestellten Brief G.s und Hoffnung, nochmals Nachricht von ihm zu erhalten; erwähnt: A. Vulpius. - Bericht über Ereignisse im vergangenen Jahr: M.s Absicht, in Graf A. Gneisenaus Hauptquartier zu eilen, sei durch die Schlacht bei Belle-Alliance (Waterloo) hinfällig geworden. So habe er für einen Frauenverein gewirkt, dem seine Frau Sophie vorgestanden habe. Über die Geburt seiner Tochter Marianne Ferdinande Thusnelde, seine gutgehende ärztliche Praxis und die Entwicklung seiner Söhne Johann Wolfgang und Karl Viktor; erwähnt: Prinzessin Marianne von Preußen, (? F.) von Ditfurth und M.s Tochter Sophie. - Frage nach der G. früher zugesandten Abschrift der Legende des heiligen Alexius (vgl. RA 6, Nr. 1320) aus M.s altem Manuskript des "Freidank" und Bitte um Rücksendung, falls G. gar keinen Gebrauch davon zu machen wisse. M. finde keine Zeit, die übrigen Erzählungen, deren Titel er G. bereits mitgeteilt habe (vgl. RA 6, Nr. 28; später gedruckt in: "Altdeutsche Dichtungen"), abzuschreiben. - Bitte um Nachricht, wie sein G. übersandtes Lustspiel ("Überraschung"; vgl. RA 6, Nr. 1419) in Weimar aufgenommen worden sei. - Die beyfolgende Ode sei in Münster, wo M. als Director der Deputation des Bürgerstandes des Fürstentums an der Huldigungsfeier (für Friedrich Wilhelm III. von Preußen) teilgenommen habe, mit Beifall aufgenommen worden. - M. wünscht, G. eine italische Landschaft von A. Albers zur Ansicht zu schicken, um diesem durch G.s Empfehlung Absatz zu verschaffen. - M.s Frau, die alle ihre Kleider selber anfertige, habe durch eigne Erfindungen Deutscher Trachten, Beyfall erworben. Hinweis auf einige Abbildungen dieser Trachten, die, nach Zeichnungen von M. K. Gregorovius, demnächst in der Frauen Zeitung (? "Allgemeine deutsche Frauenzeitung") erscheinen werden; Mitteilungen über Gregorovius; erwähnt: dessen treffliche Zeichnung des Innern des hiesigen alten [...] Domes und deren Besitzer. - F. K. Mertens, durch den M. die G. übersandten Autographen der Botaniker erhalten habe (vgl. RA 6, Nr. 457), sammle Autographen für D. Turner in London. Bitte um Handschriften von Wieland, Schiller und Herder und Hinweis auf die sich durch Turner eventuell ergebende Möglichkeit, in den Besitz englischer Handschriften zu gelangen; erwähnt: Mertens' Sohn Karl Heinrich, der sich in England aufhalte. Die Familie Turner lebe in Kunst und Wissenschaft: M. besitze Radierungen von Turners Frau (Mary) und seiner Tochter (Maria oder Elizabeth). Er lege etwas bei. Die Skizze, die einen alt-sächsischen Bogen darstelle, sei von der Tochter. Die beigefügten Kopien von den Portraits der Frau von Stael und (A. oder W. von) Humboldt habe M. durch Gregorovius machen lassen. - Vorfreude auf die neue Erscheinung von G.s Schriften ("Werke" B). Frage nach der Fortsetzung von "Dichtung und Wahrheit". - Empfehlungen an G.s Frau und Sohn.

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