Normalzeugnis Zeugnis

Charlotte Schiller an F. v. Stein 1. 10. 1797 (Ebers – Kahlert S. 142)

Goethe ist nun in Stäfa bei Meyer ... Ich glaube auch nicht, daß er sich bei den ungewissen politischen Aussichten nach Italien wendet, und da er nun Meyer wieder hat, so hoffe ich wendet er sich ehestens wieder unsern Thüringischen Bergen zu, und ist vielleicht den Winter wieder in Weimar. Es ist erstaunend, welchen Einfluß seine Nähe auf Schiller’s Gemüth hat, und wie belebend für ihn die häufige Communikation seiner Ideen mit Goethe ist, er ist ganz anders wenn er auch nur in Weimar ist. Mir selbst ist Goethe auch sehr lieb, aber er wird mir noch lieber um Schiller’s willen. Goethe ist auch hier viel anders, es ist recht eigen welchen Eindruck der Ort auf ihn macht, in Weimar ist er gleich steif und zurückgezogen, hätte ich ihn hier nicht kennen lernen, so wäre mir viel von ihm entgangen und gar nicht klar geworden. Ich glaube doch, daß auf diese Stimmung die häuslichen, zu der Welt in Weimar nicht passenden Verhältnisse am meisten Einfluß haben; hier fällt die strenge Beurtheilung weg, und dies macht ihm seine Existenz freier in der Idee.

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