Brief
An Friedrich Heinrich Jacobi (August 1774)
Ich träume lieber Friz den Augenblick, habe deinen Brief und schwebe um dich. Du hast gefühlt dass es mir Wonne war Gegenstand deiner Liebe zu seyn – O das ist herrlich dass ieder glaubt mehr vom andern zu empfangen als er giebt! O Liebe! liebe! Die Armuth des Reichtuhms – und welche Krafft würckts in mich, da ich im andern alles umarme was mir fehlt und ihm noch dazu schencke was ich habe. Ich habe vorige Nacht aufm Postwagen durch Basedows Grille gesessen. Es ist wieder Nacht. – Glaub mir, wir könnten von nun an stumm gegen einander seyn, uns dann nach Zeiten wieder treffen, und uns wär s als wären wir Hand in Hand gangen. Einig werden wir seyn über das was wir nicht durchgeredt haben. Gute Nacht. Ich schwebe im Rauschtaumel nicht im Wogensturm, doch ists nicht eins welcher uns an Stein schmettert? – Wohl denen die Trähnen haben! – Ein Wort! Lass meine Briefe nicht sehen! Versteh! – Erklärung darüber nächstens wenns braucht.
am 13. Nachts
am 14. Abends ich habe Tanten gesehen, und bin froh dass der damm weg ist, der über ihr ander garstig Verhältniss, noch manches Gefühl zurückschwellte in ihr Herz. –
Sie darf mit mir von ihrem Friz reden – Heute zum erstenmal – Wohl! wohl! – Wenn Sie diese Jahre her das gekonnt hätte wärs nichts –– Jetzt aber – und so – ihr triumphirender Glaube: sie werden sich lieben! – Frau Schwestern Bruder Rosten alles Grüsse, ieglichem nach seiner Art. – Ich dancke den Mädgen für ihre Briefgen. Sie sollen mir manchmal schreiben, wenn ich auch todt scheine. Es würckt innerlich doch und so ein Briefgen weckt schlafende Kräfte, sie sollen dramas haben Lieder, alleley. – Adieu meine neuen Schick doch Jung einen Clavigo
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