Brief
Von Friedrich Schiller (26. Juni 1797)
G.s Idee, die "Jagd" in Reimen und Strophen zu behandeln, halte S. schon deshalb für gut, weil die neue metrische Form schon die Concurrenz und Vergleichung zu "Hermann und Dorothea" ausschließe. Außerdem partizipiere das Gedicht alsdann von gewißen Rechten des romantischen Gedichts, ohne daß es eigentlich eines wäre; es dürfe sich dann auch wo nicht des wunderbaren doch des Seltsamen und überraschenden mehr bedienen. - Zum "Faust": S. schwindle es ordentlich vor der Auflösung. Ihn ängstige, daß das Stück seiner Anlage nach auch eine Totalität der Materie nach zu erfodern scheint, und S. finde für eine so aufquellende Masse [...] keinen poetischen Reif, der sie zusammenhält. S. belegt seine Ansicht mit einzelnen Beispielen, das Verhältnis Fausts zum handelnden Leben, das Verhältnis von Spaß und Ernst, das Verhältnis zwischen Faust und Mephisto und den Charakter und die Existenz Mephistos betreffend. Überhaupt sei S. sehr erwartend, wie die Volksfabel sich dem philosophischen Theil des Ganzen anschmiegen werde. - Die beiliegende Ballade "Der Ring des Polykrates" sei ein Gegenstück zu G.s Plan der "Kraniche des Ibykus".
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