Normalzeugnis Zeugnis

F. de la Motte Fouqué, Lebensgeschichte (Fouqué1 S. 120)

Laßt mich’s hier einschalten, was mir Fritsch in traulichen Stunden nachherigen Beisammenseins mitgetheilt hat, wie Goethe seltsamlich ehedem – es mogte so in den spätem Dreißigen seiner Lebensjahre sein – Kinderfeste bei sich zu halten pflegte. Da mußten ihm die näher Befreundeten (Fritschens Vater, ein angesehener Mann in Weimarschem Civildienst, endlich Minister, gehörte dazu) ihre Kindlein, Mädchen und Bübchen, ohne Weiteres – nicht Aeltern, nicht Aufseher durften sie begleiten – anvertrauen. Es galt hauptsächlich geselligen Tanz. Goethe empfing in völliger Hofgalla seine Gästchen, die er allsammt: „Ihr kleinen Menschengesichter!“ zu tituliren pflegte. Er selbst eröffnete ganz feierlich den Ball mit Einer der Dämchen ... Nach dieser Feierlichkeit aber ließ er dem kindlichen Getriebe freien Lauf, doch so, daß er die „kleinen Menschengesichter“ als getreuer Aufseher keinen Augenblick aus den Augen verlor, ihren Tanz, ihre Genüsse bewachend, so daß Keines Nachtheil für Gesundheit oder Sitte zu erleiden hatte, und dennoch Allen unter dieser väterlich gastlichen Obhut unaussprechlich frei und wohl zu Sinne war, und sie auch wiederum zu rechter Zeit, gehörig abgekühlt und wohl eingepackt heimgefördert werden.

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