Brief

Von Ottilie von Goethe (11. August 1818)

Humorvolles Bekenntnis ihrer Zuneigung zu G.: Zur Michaelismesse erscheine bei F. A. Brockhaus in Altenburg 'der Schwiegervater wie er sein soll, aber wenig in der Welt zu finden ist' von Ottilie v Goethe 2 Bändchen mit einem Titelkupfer mit G.s Bildnis; erwähnt: H. von Chézy und deren Großmutter (A. L. Karsch). Zwar habe sie das neue Bildnis G.s (Ölgemälde von F. Jagemann) noch nicht gesehen, jedoch fürchte sie, daß es lediglich die Zahl der Porträts vermehre, die, so gut sie auch seien, doch den lebendigen G. nicht wiederzugeben vermögen. Reflexionen zu diesem Thema mit Erwähnung des Bildnisses, in dem G. an einen guten Onkel Pfarrherr erinnere (Kreidezeichnung von Jagemann), sowie der G.-Büsten im seinem Haus (von G. Schadow, K. G Weisser, F. Tieck oder ? M. Klauer). - Dank für die übersandten Haarnadeln und die Schokolade. - Bericht über ihre Teilnahme an der gestrigen Schwesternloge, die sie sehr beeindruckt habe. Bemerkungen über die Freimaurerei; dort hege man eine andere Meinung von den Frauen und ihren Vereinen, als sie der Zeitgeist ausspreche. - Die übrigen Festlichkeiten zum Kirchgang Erbgroßherzogin Maria Pawlownas (am 9. August, anläßlich der Geburt des Prinzen Karl Alexander) habe O. von Goethe bis auf die Kirchenmusik ihrer Unpäßlichkeit wegen versäumt. - Über den kürzlichen Besuch von Verwandten der Gräfin R. Edling: die beiden Männer (A. Negri und K. Caliarhi; vgl RA 8, Nr. 437) seien durch ihre reiche prächtige grichische Nationalkleidung aufgefallen und die Frau (H. Negri) durch ihre Schönheit. Der jüngere Mann (A. Negri) habe einer russischen Gesandtschaft an den Hof des Schahs von Persien angehört (im Gefolge A. Jermolows); ferner erwähnt: Graf A. K. Edling, Gräfin Edlings plötzlich verstorbene Schwester Elena und ihre Mutter Sultana Sturdza. Gräfin J. Egloffstein habe die beiden Portraits der Griechen (Negri und Caliarhi) gemacht; dabei Anspielung auf F. von Gerstenbergks Gedichtband "Phalänen" mit dem unerlaubten Abdruck von drei Gedichten Adele Schopenhauers an F. Heinke. Weitere Nachrichten aus Weimar; dabei erwähnt: die Feiern der Sybillen (Mitglieder des Musenvereins), die bevorstehende Abreise des Hofes nach Dornburg, Gräfin O. Henckel und deren jüngster Sohn (Graf L. Henckel), die Entwicklung von Walter, ein möglicher Besuch von Zarinmutter Maria Fjodorowna in Weimar (vom 23. November bis 21. Dezember), die Abreise von Gräfin F. K. Beust sowie Gräfin K. Egloffstein und die Mutter (H. von Pogwisch). U. von Pogwisch lasse nochmals für G.s Erlaubnis danken, in seinem Haus wohnen zu dürfen. - Von Adele Schopenhauer (mit ihrer Mutter und Gerstenbergk auf dem Weg in die Schweiz) habe O. von Goethe einen Brief aus Stuttgart erhalten; erwähnt: J. H. von Dannecker. - Falls G. in Karlsbad einem Frl. v. Dieskau begegne, möge er ein freundliches Wort an sie richten. - Ferner erwähnt: O. von Goethes an Tollwut verstorbener Vetter (? L. von Brederlow, gest. am 12. Juli).

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