Tagebucheintrag
Tagebuch 1779, 7. August 1779
d. 7. Zu Hause aufgeraumt meine Papiere durchgesehenund alle alten Schaalen verbrannt. Andre Zeiten andreSorgen. Stiller Rückblick aufs Leben auf die Verworrenheit, BetriebsamkeitWissbegierde der Jugend, wie sie überall herumschweift um etwas befriedigendes zu finden. Wie ich besondersin Geheimnissen, duncklen Imaginativen Verhaltnissen eineWollust gefunden habe. Wie ich alles Wissenschafftliche nurhalb angegriffen und bald wieder habe fahren lassen, wie eine Art von demütiger Selbstgefalligkeit durch alles geht was ichdamals schrieb. Wie kurzsinnig in Menschlichen und göttlichenDingen ich mich umgedreht habe. Wie des Thuns, auch desZweckmäsigen Denkens und Dichtens so wenig, wie in zeitverderbender Empfindung und Schatten Leidenschafft gar viel Tage verthan, wie wenig mir davon zu Nuz kommen und da dieHälfte des Lebens nun vorüber ist, wie nun kein Weeg zurückgelegtsondern vielmehr ich nur dastehe wie einer der sich ausdem Wasser rettet und den die Sonne anfängt wohlthätig abzutrocknen. Die Zeit dass ich im Treiben der Welt bin seit 75Oktbr. getrau ich noch nicht zu übersehen. Gott helfe weiter.und gebe Lichter dass wir uns nicht selbst soviel im Weegestehen. Lasse uns von Morgen zum Abend das gehörige thunund gebe uns klare Begriffe von den Folgen der Dinge. Dass man nicht sey wie Menschen die den ganzen Tag über Kopfwehklagen und gegen Kopfweh brauchen und alle Abend zu vielWein zu sich nehmen. Möge die Idee des reinen die sich bis aufden Bissen erstreckt den ich in Mund nehme, immer lichter inmir werden.
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