Normalzeugnis Zeugnis
Eckermann, Gespräche 13. 11. 1823 (Houben1 S. 55)
Vor einigen Tagen, als ich Nachmittags bey schönem Wetter die Straße nach Erfurt hinausging, gesellte sich ein bejahrter Mann Christoph Sutor zu mir, den ich seinem Äußeren nach für einen wohlhabenden Bürger hielt. Wir hatten nicht lange geredet, als das Gespräch auf Goethe kam. Ich fragte ihn, ob er Goethe persönlich kenne. „Ob ich ihn kenne! antwortete er mit einigem Behagen, ich bin gegen zwanzig Jahre sein Kammerdiener gewesen!“ Und nun ergoß er sich in Lobsprüche über seinen früheren Herrn. Ich ersuchte ihn, mir etwas aus Goethe’s Jugendzeit zu erzählen, worein er mit Freuden willigte.
„Als ich bey ihn kam 1776, sagte er, mochte er etwa 27 Jahre alt seyn; er war sehr mager, behende und zierlich, ich hätte ihn leicht tragen können.“
Ich fragte ihn, ob Goethe in jener ersten Zeit seines Hierseyns auch sehr lustig gewesen? „Allerdings, antwortete er, sey er mit den Fröhlichen fröhlich gewesen, jedoch nie über die Grenze; in solchen Fällen sey er gewöhnlich ernst geworden. Immer gearbeitet und geforscht und seinen Sinn auf Kunst und Wissenschaft gerichtet, das sey im Allgemeinen seines Herrn fortwährende Richtung gewesen. Abends habe ihn der Herzog häufig besucht und da hätten sie oft bis tief in die Nacht hinein über gelehrte Gegenstände gesprochen, so daß ihm oft Zeit und Weile lang geworden und er oft gedacht habe, ob denn der Herzog noch nicht gehen wolle. Und die Naturforschung, fügte er hinzu, war schon damals seine Sache.“
Bezüge im Wissensnetz
Teil von (2)
GZP-Knowledge-GraphHat Sprache (1)
GZP-Knowledge-Graph- Deutsch