Normalzeugnis Zeugnis

An den Freundeskreis in Weimar 17. 9. 1787 (WA IV 8, 257)

Endlich ist mein Wunsch erfüllt worden die Arbeiten des Hrn. Casas eines französischen Architeckten, wenigstens zum Theil zu sehen. Sie sind über allen Ausdruck interessant. Er hat auf seinen Reisen die wichtigsten alten Monumente, besonders die noch nicht herausgegebnen, gemeßen, auch die Gegenden gezeichnet und mit großer Precision und Geschmack einen Theil seiner Zeichnungen, ausgeführt. Er gedenckt ein Werck in’s Publicum zu geben. Eine kurze Beschreibung der Stücke die ich gesehen, wird einen entfernten Begriff von dem Vergnügen geben, das sie dem Anschauer machen müßen. 1) Das Serail von Constantinopel ... 2) General Aussicht der Ruinen von Palmyra, in derselben Größe ... Eine Colonnade ... biß zum Sonnentempel ... Die Colonnade war von vier Säulenreihen, die Säule 10 Diameter hoch. Man sieht nicht daß sie oben bedeckt gewesen, er glaubt es sey durch Teppiche geschehen ... Das sonderbarste Phenomen ist daß eine blaue Linie, wie eine Meereslinie das Bild schließt. Er erklärte es uns daß der Horizont der Wüste der in der Ferne blau werden muß so völlig wie das Meer den Gesichtskreis schließt, daß es in der Natur das Auge trügt wie es uns im Bilde Anfangs getrogen, da wir doch wußten, daß Palmyra vom Meer entfernt genug war ... 9) Egyptische Pyramide mit dem großen Sphinx Kopfe. Er sey sagt Casas von einem Kalcksteine, in den Felsen gehauen und weil der Fels Sprünge gehabt und Ungleichheiten habe man den Coloß mit Stuck überzogen und gemahlt, wie man noch in den Falten des Kopfschmucks bemercke. Eine Gesichts Partie ist ohngefähr 10 Schuh hoch, auf der Unterlippe hat er bequem spazieren können.

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