Normalzeugnis Zeugnis

J. C. Wagner, Tagebuch 11. 10. 1792 (Roethe S. 121)

Wir fuhren biß in die sinckende Nacht, in einen Dorfe nahmens Spincourt musten wir Halt machen; alles war in denselben mit Equipagen und Packwägen verfahren, Hier konte man weder vor noch hinter sich; alle Stuben, alle Haußfluhren, alle Kammren, alle Höfe, sogar die Straßen standen in Regen voller Menschen, gröstentheils Emigranten, es war unmöglich daß alles unterkommen konte. Alhier machte unser Hußar Liser einen Meisterstreich. In den dasigen Wirthshauß fuhr dieser unter die, alle Stuben und Kammren vollgestopften Emigranten, und sagt ihnen in gebietherischen Ton: sie müsten eine Stube räumen, es käme ein groser Preußi: General, welcher Schwager des Königs von Preußen wäre, dieser wär hier angewiesen zu logiren, sie müsten also Platz machen? willig befolgten dieses die Emigranten, stopften sich aber dermasen in einander ein, daß gewiß keiner umfallen konte, und wenn er auch ohnmächtig worden wäre. Auch waren viele Frauenzimmer, mit unter recht artige Geschöpfe unter ihnen. Wir erhielten also ganz allein eine Stube. In derselben standen 2. grose Betten ... Der Herr Geh: Rath von Goethe hatte sich entschloßen in den Schlafwagen auff der Straße zu schlafen. Ehe Sie noch zu ihrer Ruhe gingen kamen 2 Hußaren Officier ein Major und ein Rittmeister von Rgt: von Koehler bey uns an, als Preußen konten wir nicht hindern daß sie nicht auch in der Stube blieben, es gab contraire Unterhaltung, und in den Augen der Emigrirten, war diß nun der General mit seinen Adjutant, für welchen sie viel Respect hatten.

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