Tagebucheintrag

Reisetagebuch Italien 1786, 20. September 1786

d. 20. Sept. Abends 8 ½ hiesigen Zeig. 1 ½ Gestern war Oper, sie dauerte bis nach Mitternacht und ichsehnte mich zu Bette. Das Sujet ist aus den drey Sultaninnen und der Entführung aus dem Serail mit wenig Klugheit zusammengeflickt,die Musik hört sich bequem an, ist aber wahrscheinl. von einem Liebhaber, es ist kein neuer Gedancke dermich frappirt hätte im ganzen Stück. Die Ballets dagegen sindallerliebst, ich habe oft an Steinen gedacht und ihm den Spasgewünscht. Das Hauptpaar tanzte eine Allemande daß mannichts zierlichers sehen kann. Du siehst ich werde nach und nach vorbereitet, es wird nur besser kommen. Du kannst denkendaß ich für meinen Wilhelm brav gesammelt habe. Dasneue Theater ist recht schön, modest prächtig alles uniform wiees einer Stadt geziemt, nur die Loge des Capitan grande hateinen etwas längeren Uberhang oder herübergeschlagnen Teppich. Die erste Sängerinn wird von ganzen Volcke sehr begünstigt.Wie sie auftritt wird entsezlich geklatscht und die Vögel stellen sich offt für Freuden ganz ungebärdig, wenn sie etwasrecht gut macht, das ihr offt geschieht. Es ist ein gutes Wesen,hübsche Figur, schöne Stimme, ein gefällig Gesicht, einen recht honetten Anstand; in den Armen könnte sie etwas mehr Graziehaben. Indeß komm ich doch nicht wieder. Ich spüre denn doch daß ichzum Vogel verdorben bin. Dagegen hab ich heute wieder an des Palladio Wercken geschwelgt. Ich komme auch sobald nicht weg, das seh ich schonund laß es sachte angehn. Ich habe ohne dieß an der Iphigenieviel zu thun und sie abzuschreiben. Wo ich das thue ist eins, undbesser hier als wo ich mehr in Lärm und Tumult verwickeltwerde. Die Vicentiner muß ich loben daß man bey ihnen die Vorrechteeiner grosen Stadt geniest, sie sehen einen nicht an, man magmachen was man will, sind aber übrigens gesprächig, gefällig pp Besonders wollen mir die Frauens sehr wohlgefallen. Die Veroneserinnenwill ich nicht schelten, sie haben eine gute Bildung, vorgebaute Gesichter aber meistens Bleich, und der Zendal thutihnen Schaden weil man unter der schönen Tracht auch wasschönes sucht. Hier aber find ich gar viel hübsche Wesen, besonders dieschwarzhärigen haben ein eigen Interesse für mich, es giebt auch eine blonde Art die mir aber nicht behagen will. Was mir wohlgefällt ist ein freyes allgemeines Wesen, weil allesimmer unter freyem Himmel ist und sich herumlehnt, wirdman einander so gewohnt. Heut in der Kirche Madonna delMonte hat ich ein artig Begegniß, konnt es aber nicht fortsetzen. Heut Abend ging ich anderthalb stunden bis es ganz Nacht warauf dem Platze hin und wieder. Die Basilika ist und bleibt einherrliches Werck, man kann sich’s nicht dencken wenn man’snicht in der Natur gesehn hat, auch die vier Säulen des Pallastsdes Capitan sind unendlich schön. Der Platz hat zwischen diesen Gebäuden nur 40 Schritt Breite und und sie nehmen sich nurdesto herrlicher aus. Davon einmal mündlich, denn es ist alles inKupfer gestochen doppelt und dreyfach beschrieben und erinnerteinen also leicht. Ich schicke dir auch zwey Büchlein mitaus denen du dich erbauen kannst. auch hab ich heute die famose Rotonda, das Landhaus des MarcheseCapri gesehn, hier konnte der Baumeister machen was erwollte und er hats beynahe ein wenig zu toll gemacht. Doch habich auch hier sein herrliches Genie zu bewundern Gelegenheit gefunden. Er hat es so gemacht um die Gegend zu zieren, vonweiten nimmt sich’s ganz köstlich aus, in der Nähe habe icheinige unterthänige Scrupel. Wollte Gott Palladio hätte einen Plan zur Madonna del Montegemacht und Christen Seelen hätten ihn ausgeführt da würden wir was sehen, von dem wir jetzt keinen Begriff haben. Nun ein Wort von den Aussichten. Die Rotonda liegt wo so einGebäude liegen darf, die Aussicht ist undencklich schön ich magauch da nicht beschreiben. Vicenz überhaupt liegt ganz herrlichund ich möchte wohl eine Zeitlang hier bleiben, aber freylich nicht im Wirthshause, aber gut eingerichtet irgendwo und sich sdann wohl seyn lassen, die Luft ist herrlich und gesund.

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