Brief
An Christiane von Goethe (3. Juli 1810)
Vor einigen Tagen sendete ich durch H. v Helldorf ein Packet an Dich ab das allerley Gutes enthält und das du wahrschleinlich gleich zeitig mit dem gegenwärtigen Blatte erhalten wirst. Gedencket meiner bey einer Tasse Chocolade und wenn im Theater ein Pfeffer münzkugelchen genommen wird. Dein ausführlicher Brief vom 25. Jun hat mir viel Vergnügen gemacht schreibe mir von Lauchstedt dergleichen. Carolinchen soll geliebt seyn daß sie soviel auf ein Blatt bringt. Mir geht es recht wohl und wenn ich diese Wasser immer neben mir hätte, wäre mir für nichts bange. Seit der Abreise der Kayserinn habe ich mich in die Enge gezogen. Es gehen ohne hin schon die Personen der ersten Zeit und die meisten meiner Be kannten fort. Indessen kommt unter sovielen Menschen immer einmal wieder ein alter Bekannter oder es findet sich etwas interessan tes nNeues. Von Augelchen hat sich noch gar nichts gefunden. Die Gegenwart der Kayserinn wird für mich nicht ohne Folgen seyn, man hat mir vertraut daß Sie mir eine Artigkeit erzeigen werde die mich umso mehr freuen müsse weil sie sich selbst etwas aus gedacht. Du sagst niemand davon, denn so etwas muß man ab warten. Es kann gar manches dazwischen kommen daßs die besten Absichten der Großen hin dert. Nach Wien bin ich von hunderten eingeladen. Ich habe es nicht abgesagt aber mir auf jeden Fall vorbehalten Augusten an die Wohlwollenden zu adressiren. Er wird überall willkommen seyn. Bis jetzt hab ich von dem edlen Jüngling keine Zeile erhalten, so daß ich nicht weis ob er die durch des Prinzen Bernhard Leute überschickte Sachen bekommen hat. Auch schreibst du mir nichts von den getrockneten Trüffeln und Schwämmen, die in einen flachen Korb gepackt waren. Ich lege dir ein Blätchen an den Cassier bey er wird ja wohl dies Jahr genugsamen Uberschuß haben dir das Wenige auszuzahlen.
Den 12 Juli wollen wir mit den besten Wünschen feyern. Ich hoffe indessen von euch zu hören. Es geht mir ganz wohl und wünsche dir das Gleiche. Dabey bin ich ziem fleißig u habe schon allerley zu Stande gebracht.
Ich lege die Gedichte bey die ich zu sammen drucken lies. Jedes wurde durch eine besondere Gelegenheit ver anlaßt, das letzte durch die Kayserinn selbst, welche verlangte daß ich in ihrem Nahmen den Carls badern etwas freundliches sagen sollte. Ihr werdet sehen wie ich mich aus der Sache gezogen habe. Grüße H. Genast zu schönsten, er wird mir wohl schon geschrieben haben wenn Gegenwärtiges ankommt. Auch die Ubrigen grüße und trage wie sonst alles bey daß die Sache gut und ordent geht. Richte dich auf alle Falle ein solange zu bleiben wie die Gesellschafft; denn ich werde meine Nachhausreise nicht beschleunigen. Ich muß noch gar manches vorth vorher thun u ausrichten. Lebe recht wohl und sey meiner eingedenck.
CB. d. 3 Jul 1810.
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