Brief

Von Gaetano Cattaneo an Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar (17. Dezember 1817)

Dank für das Schreiben des Großherzogs vom 19. November. Die Freunde und Bewunderer G. Bossis seien tief bewegt, daß G. ihm ein Denkmal setzen und seine Werke beschreiben und kommentieren wolle. - Zur Vorgeschichte von Bossis Karton "Der Parnaß" (nach Raffael): C. und Bossi hätten sich gegen Ende des letzten Jahrhunderts in Rom dem Studium der Malerei gewidmet und eines Tages die Villa Albani mit A. R. Mengs' Deckenfresko "Der Parnaß" aufgesucht. C. habe Mengs' Idee als unpassend und seine Komposition als nicht geglückt kritisiert und Bossi nahegelegt, daß kein anderer Künstler als er fähig sei, ein solches Thema mit lobenswertem Ergebnis zu behandeln. Vier Jahre später sei Bossi mit seinem großen Karton nach Mailand zurückgekehrt; erwähnt: R. Morghens Kupferstich nach Mengs' Deckenfresko, J. J. Winckelmann und J. N. de Azara. C. teilt seine Deutung der Ideen Bossis mit, die er zurücknehmen würde, falls sie mit G.s Interpretation des Bildes im Widerstreit läge; dabei Anspielung auf Orphische "Hymnen" (3, 5); erwähnt: eine verkleinerte Kopie des Kartons von Bossis Schüler G. B. Callegari und eine für den bankrott gegangenen Grafen Laudron (? Lodron) bestimmte, unvollendet gebliebene Kopie von A. Berini als Gravur auf einer Platte aus östlichem Sardonyx. - Nachricht vom Tode A. Appianis und Übersendung der Ansprache bei seiner Trauerfeier, zu der C. einige biographische Angaben beigesteuert habe (G. Berchet "Allocuzione nei funerali del pittore Andrea Appiani celebrati ... 10 di November 1817", Ruppert 16). Die Erben Appianis wollten, wie schon jene von Bossi, C. zum Gutachter für seine hinterlassenen Kunstwerke bestimmen (? Anspielung auf C.s Bemerkungen zu Bossis Durchzeichnungen von Leonardo da Vincis "Abendmahl"; vgl. G.s Tagebuchnotiz vom 20. November und den Brief an C., 1817 Dezember 14 bis 20, WA IV 28, Nr. 7934 sowie RA 7, Nr. 1352; vgl. auch C. "Discorso recitato ... nel funerale del cavaliere Giuseppe Bossi"). Diese Aufgabe werde C. einige Zeit von seinen Pflichten abziehen; erwähnt: C.s Absicht, eine Gegenüberstellung der beiden großen Genies im Blick auf ihren Einfluß auf Geschmack und Geistesverfassung des Landes zu verfassen. - C. sei gespannt zu erfahren, was G. zu Bossis Studien zum "Abendmahl" (zu dessen Durchzeichnungen bzw. zu dessen Abhandlung "Del cenacolo di Leonardo da Vinci") sagen werde (vgl. G. "Joseph Bossi über Leonard da Vinci Abendmahl zu Mailand"). - C. habe S. Breislak den ihn betreffenden Abschnitt des Briefs mitgeteilt; dieser werde selbst danken, wenn das angekündigte Päckchen in seinen Händen sein werde. - Den Buchhändler habe C. wegen seiner Nachlässigkeit bei der Versendung der Zeitungen ausgescholten und (? D.) Artaria für die über ihn abgeschlossenen Bestellungen zur Pünktlichkeit ermahnt. - Mit dem Druck der erbetenen Reproduktion von Guercinos Gemälde "Abraham und Hagar" sei noch nicht begonnen worden; erwähnt: die Kupferstecherschule (von G. Longhi), in der Großherzog Karl August eine Zeichnung des beauftragten Kupferstechers (? S. Jesi) gesehen habe. C. lege dessen Bestellformular bei.

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