Brief

Von Ottilie von Goethe (7. bis 9. Februar 1824)

1824 Februar 7 Mittags bei Gräfin J. Brühl habe sie K. F. Zelter, F. de la Motte-Fouqué und Legationsrat Adam angetroffen. Positives Urteil über die Gräfin, obwohl sie sich in vieler Hinsicht von O. von Goethe unterscheide. Gemeinsam seien beide am Abend auf dem Subcriptionsball gewesen. Über ihre Begegnungen; dabei erwähnt: Prinz Wilhelm, Bruder des Königs, und Prinzessin Marianne von Preußen, Erbgroßherzog Paul von Mecklenburg-Schwerin und (der Herzog oder die Herzogin) von Cumberland. - O. von Goethe habe den Ball vorzeitig verlassen, um zu Familie Mendelssohn Bartholdy zu fahren, wo Felix seine neue Oper gesungen wurde ("Der Onkel aus Boston, oder Die beiden Neffen", Libretto von J. L. Casper). Eine Unzahl Menschen wogte dort; erwähnt: H. Stümer und A. Beer, die ihren Dank für G.s Güte gegenüber ihrem Sohn (M. Beer, bezüglich des Trauerspiels "Der Paria"; vgl. RA 10, Nr. 530) ausgesprochen habe. O. von Goethe sei erst nachts 2 Uhr zurück gewesen. Dieser Tag habe sie für eine Hofdamenstelle bei der Kaiserin von Rußland oder nach (? C.) Rauch als Flügeladjudant bei dem Großherzog von Weimar qualifiziert. 1824 Februar 8 Morgens habe O. von Goethe eine Predigt von F. Schleiermacher besucht. Von K. A. Varnhagen von Ense habe sie ein Exemplar der schon erwähnten Lieder G.s ("Neue Lieder in Melodien gesetzt von Bernhard Theodor Breitkopf") sowie mehrere Briefe ud Noticen abschriftlich für G. erhalten. Mit H. Nicolovius sei sie bei S. Rösel gewesen. - Ausführlicher Bericht über einen Besuch bei der Herzogin von Cumberland, von der sie sehr liebevoll behandelt worden sei; erwähnt: Kronprinz Friedrich Wilhelm und Prinz Friedrich von Preußen, K. von Berg, zwei Söhne der Herzogin von Cumberland (Wilhelm und Alexander oder Karl), zwei Prinzen Solms (der dicke und der dünne Solms; ? Bernhard und Ferdinand) und Prinz Friedrich Wilhelm von Thurn und Taxis. Viele von ihnen habe O. von Goethe erkannt als zu den sieben Officieren gehörend aus der Loge (vgl. RA 10, Nr. 549). Ferner erwähnt: Prinz Georg von Cumberland und der kleine Prinz Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz, die Herzöge von Cumberland und von Cambridge sowie R. C. F. Meade und der preußische König. Die Herzogin von Cumberland bitte um die ihr von G. zugedachte Abbildung der J. J. von Willemerschen Mühle (vgl. G.s Tagebuchnotiz vom 16. August 1815 und G. an die Herzogin von Cumberland, 1826 Juni 18, WA IV 41, Nr. 52). O. von Goethe bitte, ihr für die Herzogin auch etwas aus seinen Werken nach Berlin zu senden; dabei erwähnt: "Buch des Paradieses" (aus: "West-öslicher Divan"), "Über Kunst und Altertum", "An Madame Szymanowska" und "An Byron", F. Soret und G.s Familie. - Am Abend sei O. von Goethe mit L. Nicolovius in der Oper gewesen, man habe drei unbedeutende Stücke gegeben (J. P. S. Schmidt "Das verborgene Fenster, oder Ein Abend in Madrid", Libretto von J. H. Millenet nach J. Desessarts d'Ambreville, K. Blum "Ein Stündchen vor dem Potsdamer Tore" und J. Sonnleithner "Dir wie mir!"). Im Schauspielhaus sei "Die Galeerensklaven, oder Die Mühle von Saint Alderon" (Libretto von K. Winkler nach "Les deux forcats" von E. Cantiran de Boirie, P. F. A. Carmouche und A. Poujol, Musik von J. Schubert und P. J. Lindpaintner bzw. von A. Piccinni) aufgeführt worden; erwähnt: L. Devrient, Graf K. Brühl und die ursprünglich für diesen Abend vorgesehene Aufführung von "Kenilworth" (Bearbeitung von W. Lembert nach W. Scott, Musik von G. Damm). 1824 Februar 9 Englischunterricht mit J. A. Montague. - Von F. A. Wolf habe sie als Geschenk eine englische Komödie erhalten, zu der er vor 20 Jahren eine Vorrede geliefert habe (G. Lillo "The Fatal Curiosity"). - Bericht über eine Aufführung von G. Spontinis Oper "Olympia" (Libretto von E. Hoffmann nach M. Dieulafoy und C. Brifaut), die O. von Goethe besser als erwartet gefallen habe; erwähnt: K. Nicolovius und die Ballette (Choreographie von C. M. Telle). - Dringende Bitte an A. von Goethe und G. um Verlängerung ihres Urlaubes, da sie infolge ihrer zahlreichen gesellschaftlichen Verpflichtungen bisher weder eine der berühmten Künstlerwerkstätten noch eine der großen Gemäldegalerien habe besuchen können. Aufzählung der Werkstätten und Galerien, die sie noch besichtigen wolle; dabei erwähnt: Rauch, F. Tieck, K. Wichmann, K. F. Schinkel, G. Schadow, W. Wach, K. W. Kolbe d. J., die Gemäldesammlung E. Sollys, die Sammlung Giustiniani (begründet von V. und B. Giustiniani), K. Begas, F. Wadzecks Erziehungsanstalt, J. B. Logier und K. Moesers Quartette. - Bitte um baldige Nachricht aus Weimar.

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