Normalzeugnis Zeugnis
Dichtung und Wahrheit XIII (WA I 28, 205)
Noch andere hielten mich für einen grundgelehrten Mann, und verlangten, ich sollte die Original-Erzählung des guten Götz neu mit Noten herausgeben; wozu ich mich keineswegs geschickt fühlte ...
Ein angesehener Geschäftsmann macht mir ganz unvermuthet die Visite. Ich sehe mich dadurch höchst geehrt, und um so mehr, als er sein Gespräch mit dem Lobe meines Götz von Berlichingen und meiner guten Einsichten in die deutsche Geschichte anfängt; allein ich finde mich doch betroffen als ich bemerke, er sei eigentlich nur gekommen um mich zu belehren, daß Götz von Berlichingen kein Schwager von Franz von Sickingen gewesen sei, und daß ich also durch dieses poetische Ehebündniß gar sehr gegen die Geschichte verstoßen habe. Ich suchte mich dadurch zu entschuldigen, daß Götz ihn selber so nenne; allein mir ward erwidert, daß dieses eine Redensart sei, welche nur ein näheres freundschaftliches Verhältniß ausdrücke, wie man ja in der neueren Zeit die Postillone auch Schwager nenne, ohne daß ein Familienband sie an uns knüpfe. Ich dankte so gut ich konnte für diese Belehrung und bedauerte nur, daß dem Übel nicht mehr abzuhelfen sei. Dieses ward von seiner Seite gleichfalls bedauert, wobei er mich freundlichst zu fernerem Studium der deutschen Geschichte und Verfassung ermahnte, und mir dazu seine Bibliothek anbot, von der ich auch in der Folge guten Gebrauch machte.
Das Lustigste jedoch, was mir in dieser Art begegnete, war der Besuch eines Buchhändlers, der mit einer heiteren Freimüthigkeit sich ein Dutzend solcher Stücke ausbat, und sie gut zu honoriren versprach. Daß wir uns darüber sehr lustig machten, läßt sich denken.
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