Brief

Von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (13. April 1782)

Durch einen Brief G.s, den Merck an ihn geschikt habe, wisse T., daß G. das Schiksaal T.s bedaure und es beßer zu machen gedenke. T. wende sich nun selbst an G. und werde ihm zur Beurteilung seines Könnens einige Arbeiten senden. Halte G. ihn für tauglich, daß er mit der Zeit noch ein Mahler werden könnte, so möge G. ihm die Gelegenheit verschaffen, noch einige Zeit studieren zu dürfen. Einige Studien habe T. an Merck geschickt, in deßen Urtheil er sich ganz gebe, da er unpartheyisch sei und das rechte fühle, was die wahre Kunst ist. - Bericht über T.s Werdegang als Maler, der ihn mit einem Stipendium des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel nach Rom geführt habe. Die Finanzierung seiner Studien in Rom sei unterbrochen worden, so daß T. mit dem wenigen Geld, was er hatte, nach Frankreich zu reißen beabsichtigte, doch nur bis Zürich gelangt sei, wo er sich durch Porträtieren seinen Lebensunterhalt verdiene. - T. habe keine Verpflichtung gen Kassel gegenüber. Wenn ihn noch iemand einige Zeit reißen lassen wolle, daß er studieren könne, so werde ihm T. dafür alles schiken, was er male, und wolle nach der Zeit, in seinen Dienst treten. Nicht in der ersten Hize, sondern mit kaltem langsamen Nachdenken müsse ein Gemälde entstehen. Motive der deutschen Geschichte halte T. durch die malerische Kleidung der alten Deutschen für die Darstellung sehr geeignet. Die griechische Kleidung ist schön [...] weil sie die Künstler so gut gearbeitet haben, doch das Nakende, angemessen den warmen Ländern, schicke sich für unsere Zeiten nicht. Wenn T. von dem Portraitirjoch befreit sei, wolle er sich bei G. über die deutsche Geschichte Rat holen.

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