Brief
An Carl Friedrich Zelter (22. Juli 1816)
An Zelter.
Unterm 19. ist ein Brief an dich abgegangen, worin ich meinen Entschluß nach Baden zu gehen vermeldete, Cotta hatte mir daselbst, im Badischen Hofe, ein Quartier bestellt. Heute erhalte ich deinen lieben Brief, der mir anzeigt, daß du mir in Wiesbaden, in der Rose gleichfalls ein Unterkommen besorgt hast. In meines Vaters Hause sind viele
Es ist mir diese Tage viel Gutes und Liebes widerfahren. Ältergewordene, seit 25 Jahren nicht gesehene jüngere Freunde kamen unversehens und freuten sich vieles an der alten Stelle und manches Vorgeschrittene vorschreitend zu finden. Am Abende des 20., da ich mit Protest zurückgewiesen wurde, fand ich Chladni, der, die Meteorsteine und die Klangfiguren hartnäckig durcharbeitend, sich ein großes Verdienst macht. Er arbeitet für eine Zeit, wo man sich wieder freuen wird von andern zu lernen und dankbar zu benutzen, was sie, durch Aufopfrung ihres Lebens, mehr für andere als für sich gewonnen haben. Wenn man jetzt, sogar vorzüglichen Menschen, von etwas spricht was sie durch Überlieferung lernen sollten, so versichern sie, mit bescheidenem Ernst, sie hätten noch nicht Zeit gehabt es zu untersuchen.
Gebe dir Gott wenig gelehrige Schüler, damit doch etwas von deinen Tugenden auf der Erde bleiben möge, die andern aber, die sich dem Höchsten gleich stellen, indem sie auf den ersten Stufen krabbelnd dem Scheine huldigen, die laß ja in ihrer Behaglichkeit, denn es wäre Sünde ihre Welt zu zerschlagen.
Man sollte eigentlich nicht wiederkehren wenn man abgeschieden ist, doch dießmal gelang es mir noch, der Unterschied war nur um wenig Stunden. Indessen ist es doch wunderbar, das Leben krallt sich gleich wieder an, und ich habe gerade durch die Hast des Zustandes, weil man mich gleich wieder zu verlieren gedenkt, soviel erfahren und gewirkt als sonst in Wochen.
In meinem Hause sieht's ganz freundlich aus. August, wie du ihn kennst, greift in alles ganz verständig ein, wir haben in wenigen Stunden Fundamente zu künftigen Winterunterhaltungen gelegt. Chemische und physische Fördernisse sind mir auch geworden, so daß ich nicht weiß ob ich mich beklagen soll heute Abend nicht in Würzburg einzutreffen. Herrn v. Hundeshagen grüße zum allerschönsten, danke für seinen Brief, ich werde nächstens schreiben.
W. d. 22. Jul. 1816.
G.
Hast du Auslagen wegen des bestellten Quartiers, so erstatte ich sie mit Dank.
———
Am 20. dieses früh 7 Uhr fuhr ich von hier ab, um 9 Uhr, kurz vor Münchenholzen, warf der ungeschickteste aller Fuhrknechte den Wagen um, die Achse brach und der gute Meyer wurde an der Stirne beschädigt. Das heftige Bluten der Wunde schien mir bedenklich, wir rafften uns so gut wir konnten aus dem Wagen. Hier war nichts zu thun als Succurs von Weimar zu berufen, welcher denn auch nach einigen Stunden ankam, die wir glücklicher Weise bey heiterem Himmel im Freien zubrachten.
Meyers Wunde hat nur die Haut gespalten und ist nicht gefährlich, doch unter vierzehn Tagen an keine vollendete Heilung zu denken, dadurch würde eine ohnehin etwas weit ausgreifende Reise verspätet, und ich habe mich daher, um den besten Monat nicht zu verlieren, ganz kurz entschlossen nach Tennstedt zu gehen. Hofmedicus Rehbein, der diese Wasser genau kennt, bestärkte mich darin und verspricht mir die beste Wirkung.
Hatte man mir doch vor einigen Jahren ähnliche Quellen angerathen. Was mir den Gedanken sehr annehmlich machte war die Nähe von Weimar, sobald Hofrath Meyer geheilt ist folgt er nach.
W. d. 22. Jul. 1816.
G.
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