Brief

Von Karl Friedrich Zelter (4. April 1816)

Auch Z. habe die Erfahrung gemacht, daß sein Talent ihm über Trauer und Schmerzen hinweghelfe und zu Productionen [...] ausser aller Analogie mit dem augenblicklichen Zustande anrege, so z. B. im November 1815, als das lustigste Tafellied [...] Sanct Paulus war ein medicus (Text von J. G. Krüger) entstanden sei. - Z. sei begierig auf G.s "Über Kunst und Altertum"; Erklärungen über die besondere Art seiner Inspiration durch G.s Schriften und Erwähnung der ihm durch K. von Schuckmann zugekommenen Aushängebogen (vgl. RA 7, Nr. 89). - Beifall für Großherzog Karl Augusts Bemühen, sich zur rechten Zeit seiner Universität [...] anzunehmen (Reorganisation der Oberaufsicht). - G.s Brief an den Berliner Künstlerverein habe sich Z. (? bei G. Schadow) ohne Erlaubniß abgeschrieben (Gutachten G.s über Transparente Berliner Künstler, datiert: 26. Februar 1816; vgl. WA IV 26, 412-415 und RA 7, Nr. 136). Kritik an der Uneinsichtigkeit vieler Künstler; erwähnt: ein Architekt (? L. Catel) und Kolumbus. - Z. könne erst nach dem Osterkonzert (Kantate "Der Tod Jesu" von K. H. Graun und K. W. Ramler) an seine Reise denken. Erwähnung der geplanten Vermählung seiner Töchter (Henriette Syring und Julie) mit einem geschickten Schreibmeister (G. F. Habermann) und einem Amtman (J. L. Huschka) sowie der Landpachtung seines Sohnes Georg. - König Friedrich Wilhelm III. von Preußen habe in Paris die Giustinianische Gemäldesammlung gekauft. Z. hoffe, daß die Kunstakademie jetzt zu einem Museum umgewandelt werde und auch die inzwischen 26jährige Singakademie einen eigenen Raum erhalte. Der König habe die Pläne (Projekt von K. F. Schinkel) bereits bestätigt. - Theaternachrichten: Kritik an einem Gastspiel des Schauspielers F. Julius in G.s "Clavigo". A. und P. A. Wolff würden erwartet, ebenso A. Catalani; erwähnt: A. Milder und G.s "Des Epimenides Erwachen". Zur Situation der deutschen Oper; erwähnt: Mozarts Opern. - Der Überbringer des Briefs sei A. Mendelssohn Bartholdy; erwähnt: dessen Vater (Moses), Frau (Lea) und Kinder (Fanny, Felix, Rebekka und Paul) sowie J. S. Bach und Anspielung auf das NT. - Hinweis auf das baldige Wiedersehen mit G. (vom 5. bis 8. Juli in Weimar).

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