Brief
An Johann Friedrich Cotta (23. Januar 1809)
Weimar den 23 Januar 1809.
Der Ballen mit den Büchern ist angekommen und ich habe so wohl dafür als für die frankirte Sendung meinen Dank ab zustatten, und ich sollte nunmehr nach Ihren Wünschen wohl auch etwas übersenden, wenn es nur nicht mit den Tagesblättern und besonders auch mit dem Morgenblatt eine so wunderliche Sache wäre! Es giebt so vielerley Verhältnisse die ich dem Papier nicht anver trauen mag; aber gar manches Ereigniß warnt uns gegenwärtig still zu seyn, ja selbst im Literarischen sind wieder so unfreundliche und unerwartete Schwankungen, sodaß man sieht man könne sich auch nicht einmal auf alte Freunde verlassen.
Damit ich aber nicht ganz unthätig u undankbar erscheine, will ich suchen etwas zum DamenCalender etwas Freundliches auszuwählen. An der Geschichte der Farbenlehre wird sachte fortgedruckt, doch kommen wir Ostern noch nicht damit zu Stande. Indessen sieht man doch immer mehreres hinter sich.
Ihre Erklärung wegen der Fernowischen Schuld entscheidet das Schick sal seiner Kinder. Niemand mag einen kleineren Verlust anrechnen und wenn seine Hinterlassenschaft frey bleibt, so wird sich für diese armen Wesen und ihr Schicksal wohl etwas nachhaltiges thun lassen.
Wir sind diesen Winter mit Fremden gesegnet, die uns manche geistreiche u artistische Unterhaltung bringen. Ich wünsche zu hören, daß Sie sich wohl befinden und zeitig zu vernehmen, wenn wir Sie in unserer Gegend wieder zu erwarten haben. Ich sehne mich nach Carlsbad u hoffe dießmal dort recht fleißig zu seyn.
Goethe
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