Normalzeugnis Zeugnis
Caroline Herder an Herder 20. 2. 1789 (Düntzer6 S. 252)
Ich habe sie die erste Scene aus Tasso vorgestern von Goethe bekommen, und sie eilig für Dich abgeschrieben, aber nur für Dich allein ... Goethe kam den Montag, um nach Dir zu fragen. Es freute ihn sehr, als ich ihm sagte, wie Dir sei. „So war mirs auch“, sagte er; „ich ließ die Hände sinken, und that nichts mehr.“ Knebel kam noch dazu. Goethe setzte sich nieder und zeichnete mir ein Landschäftchen. Es war ein guter Geist und ein gutes Gespräch unter uns; denn Du warst immer dabei. Zuletzt wurde noch viel vom Römischen Carneval gesprochen. Er gibt nämlich eine Beschreibung des Römischen Carnevals, wie es in den letzten acht Tagen ist, mit achtzehn Kupfern heraus, die schon meist durch Kraus fertig sind. Die Beschreibung davon ist so voll Ordnung und einer eignen Darstellung des Ganzen, die Euch wohl schwerlich, wie er selbst sagt, zum erstenmal in dem entsetzlichen Gedränge erschienen ist. Das Ende schließt sich mit einer Betrachtung über das menschliche Leben, die mir sonderbar rührend war. Auch dieser Abend schloß sich bei den Kindern mit dem sia ammazzato etc.; sie bliesen sich die Lichter aus, da sie hinunterleuchten sollten. Ich kann nicht bergen, daß mir diese Abendstunden unter denen, die ich mitunter, zwar sparsam, in Gesellschaft zubringe, die liebsten sind. Ein verständiges Wort zu hören und den Athem eines guten Geistes zu fühlen, das ist Leben ...
Goethe und Knebel grüßen Dich. – In Moritzens Abhandlung hat Goethe das Wort nützt in meinem letzten Gespräch hierüber in dient verwandelt; dies dünkt mich noch viel richtiger.
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