Normalzeugnis Zeugnis

An Carl August 19. 2. 1789 (WA IV 9, 87)

Mit Schmidt der mir gleich ist habe ich ein lang Gespräch in der Commödie gehabt. Es kamen einige Sachen vor von denen Sie mir zu schreiben erlauben. Es ist im Wercke daß man dem Seiler Wächter neben der Buchholzen die Erlaubniß Schläuche zu verfertigen geben will. Wir fürchten beyde es werde die Operation dem Gewerbe mehr schaden als nutzen. Es ist nicht so ausgebreitet daß mehrere Personen mit entschiedenem Vortheil sich darin sollten theilen können. Die Concurrenz wird geringere Preise erzwingen, die Fremden werden davon profitiren und die Waare wird wahrscheinlich geringer und beyde reiben sich auf. Die Buchholz ist betriebsam, und verdient wohl daß man auf ihre Erhaltung dencke und ihr einigen Vortheil gönne, um so mehr als sie nicht schuldenfrey, ja der Kriegskasse noch 700 schuldig ist, die sie richtig verinteressirt und nach und nach abzutragen sucht. Käme sie zurück; so bliebe nichts übrig als ihr väterlich Hauß anzuschlagen und eine Person zu Grunde zu richten die sich bisher wacker gehalten hat und deren Unternehmungen eine Folge und Glück hatten. Ich will nicht wie andre behaupten, daß es eine Privatabsicht des Majors Germar sey mit dem sie sich von Anfang her nicht vertragen hat. Etwas menschliches kann aber doch dabey zum Grunde liegen. Der Präsident und ich dencken überein und bitten nur daß Sie es nochmals überlegen möchten! es ist mir unbekannt was man für die Theilung des Gewerbs angeführt hat... Der Präsident hat mich auf eine freundliche Weise eingeladen an dem wichtigen Wercke des Schloßbaues pro virili Theil zu nehmen ... Ihre Frau Gemahlinn scheint sich wohl zu befinden, der Prinz auch. Riedeln habe ich mercken laßen daß Sie gute Gesinnungen gegen ihn geäußert, es hat ihn sehr aufgemuntert.

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