Brief
An Jacob Ludwig Passavant (etwa 23. Juli 1774)
Dem
Passavant-
und
Schüblerischen
Brautpaare
Die Geschwister
des Bräutigams
pp
vgl. Faksimile
Er fliegt hinweg, Dich zu umfangen,
Und unsre Seele iauchzt ihm laut
Mit innig heiserem Verlangen
Flog nie der Bräutigam zur Braut
O Schwester, willst Du länger weilen
Auf bring uns doppelt Ihn zurück
Wir wollen alles mit Dir theilen
Und unser Herz und unser Glück.
Die besten Eltern zu verlassen
Die Freunde denen Du verschwindst
Ist traurig. Doch um Dich zu fassen
Bedencke was Du wiederfindst.
Dein Glück o Freundin wird nicht minder,
Und unsers wird durch Dich vermehrt
Sieh dich erwarten muntre Kinder
Die werthen Eltern Gott bescheert.
Komm zu dem täglich neuen Feste
Wo warme Liebe sich ergiest
Ringsum die Brüderlichen Gäste
da eins des andern Glück geniest.
Im langgehofften Sommerregen
Reicht Gott dem früchtevollen Land
Erquickung, tausendfältgen Seegen;
Reich Du dem Bruder Deine Hand
Und mit der Hand ein künftig Glücke
Für Ihn und Dich und uns zugleich;
Dann werden iede Augenblicke
An neuen Lebensfreuden reich.
Ja es sind wonnevolle Schmerzen
Was aus der Eltern Auge weint
Sie sehen Dich mit warmem Herzen
Mit Deiner Schwester neu vereint.
Wie Freud und Tanz Ihn Dir ergeben
Und Jugendwonne Euch verknüpft
So seht einst Euer ganzes Leben
Am schönen Abend hingeschlüpft.
Und war das Band das Euch verbunden
Gefühlvoll warm und heilig rein
So lasst die letzte eurer Stunden
Wie Eure erste heiter seyn.
vgl. Faksimile
Spat, doch nicht zu spät hoff ich. Grüsen Sie Passav. Und meinem Vater doch auch einige Exemplare dieses Carmens.
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