Tagebucheintrag

Reisetagebuch Italien 1786, 12. September 1786

d. 12 Sept. nach Tische. Wie sehnlich wünsch’ ich dich einen Augenblick neben mich, damit du dich mit mir der Aussicht freuen könntest die vor mirliegt. Heut Abend hätt ich in Verona seyn können, aber es lag mirnoch eine schöne Natur Würckung am Wege, ein schönes Schauspielder Lago di Garda. Den wollte ich nicht versäumen und bin herrlich belohnt. –Nach fünfen fuhr ich von Roveredo ab ein Seiten Thal hinauf,das seine Wasser in den Adige ausgießt. Wenn man hinaufkommt, Liegt ein ungeheurer Riegel hinten vor, über den man nach dem See hinunter muß. Hier waren die schönsten Kalck felsen zu mahlerischen Studien. Wie man hinab kommt liegt ein Örtgen am nordlichen Ende desSees und ist ein kleiner Hafen oder vielmehr Anfahrt da, es heistTorbole. Die Feigenbäume hatten mich schon den Weg her häufigerbegleitet und im hinabsteigen fand ich die ersten Oelbäume, die voller Oliven hingen. Hier fand ich zum erstenmal dieweiße Feigen als eine gemeine Frucht, die mir die GräfinnLanthieri verheißen hatte. Aus dem Zimmer wo ich sitze geht eine Thüre in den Hofhinunter, ich habe meinen Tisch davor gerückt und dir die Aussicht mit einigen Linien gezeichnet. Sie zeigt den See in seinerLänge dessen Ende man besonders an der Lincken Seite nichtsehen kann. Nach Mitternacht bläst der Wind von Norden nach Süden, weralso den See hinab will muß vor Tage fahren, einige Stunden nach Sonnen Aufgang wendet er sich und bläst nordwärts. Jetztnach Mittag um eins weht er sehr starck gegen mich und kühltdie heise Sonne gar herrlich ab. Eben lehrt mich Volckmann den ich zuerst aus meinem Cofferhohle daß dieser See ehmals Benacus geheisen und zeigt mir einen Vers des Virgils an worin seiner gedacht wird: teque Fluctibus et fremitu assurgens Benace marino. Der erste lateinische Vers dessen Gegenstand mir lebendig vorsteht und der, da der Wind immer stärcker weht und und der See höhere Wellen schlägt recht wahr wird. Nun will ich schliesen,wenn es kühle wird noch einen Spaziergang machen, Morgen früh um dreye von hier abfahren und dir dann wieder vonVerona schreiben. Die schönsten und grösten Natur Erscheinungendes festen Landes hab ich nun hinter mir, nun gehts der Kunst, dem Alterthum und der Seenachbarschafft zu! Lebewohl! Heute hab ich an der Iphigenie gearbeitet, es ist im Angesichtedes Sees gut von statten gegangen. Ich muß einpacken und scheide ungern von dir, ich will noch heute zeichnend an dich dencken. Die Tyroler Karte die ichKnebeln weggenommen liegt bey ich habe meinen Weg miteinem Bleystift strich gezeichnet. Geschrieben den 46 Grad hinter mir. unter dem 45 Gr. 50 Min

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