Brief
An Carl Fhr. von Rumohr (28. September 1807)
Die Gedichte welche mir zuge sendet worden, gehören, weil man sie doch vor allen Dingen einordnen muß, zu den gemüthlich (erg. G) didactisch lyrischen. Man kann von solchen verlangen, daß sie rein empfunden, gut gedacht und bequem ausgespro chen seyen. Alle diese Vorzüge besitzen die vorliegenden. Dagegen haben sie kein eigentlich poetisch Ver dienst. Unaufhaltsame Natur, un überwindliche Neigung, drängende Lei denschaft, Haupterfordernisse der wahren Poesie, welche sich im Großen wie im Kleinen, im Naiven wie im Pathetischen manifestiren können, zeigen sich nirgends. Demungeach tet kann der Verfasser, bey seinem Talent, sich den Beyfall seiner Na tion Landsleute (erg. G) versprechen. Die Deutschen lieben das moralisch lyrische, diese subjectiven reflectirten Gesänge, die ein andern Subject Jemand (erg. G mit Einweisungszeichen) wieder leicht ansprechen und an allgemeine Zu stände des Innern Gemüths, an Wünsche, Sehn suchten und fehlgeschlagene Hoffnun gen erinnern.
Ich würde daher dem Verfasser ra then seine Lieder durch diejenigen Blätter bekannt zu machen, welche sogleich ins große Publicum gelangen; Wie ich mir denn gleich (G) ein Paar davon für HErrn Cotta’s Morgenblatt aus bitten würde. Dabey würde ich man ihm rathen könnte er sich irgend einen wohlklingenden Nah men zu wählen, an durch demn man seine Gedichte alsdann erkennte vor andern, ahnlichen sich auszeichneten. (G) Behagen sie einem Musiker, begleitet er sie mit gefälligen Melodieen, so werden sie gesungen u. bekannt und der Verfasser wird zuletzt veranlaßt, eine Sammlung dersel ben herauszugeben. Dieses ist’s was ich nach meiner besten Einsicht und mit aller Aufrichtigkeit dem mir bezeigten Vertrauen erwie dern konnte.
Vorstehendes war geschrieben als sich der Verfasser selbst mir bekannt machte an mich wandte. Ich wüßte nichts weiter nur die Bemerkung hinzuzuthun, als daß für unsere Literatur nichts wünschenswerther sey, als daß jeder, der eine Zeitlang gearbeitet hat, zum deutlichen Bewußtseyn dessen kommen möge was er vermag, da mit er theils sich nicht vergebens abmühe, und von sich nicht mehr oder doch nichts anderes fordere als was er leisten kann. Dadurch entspringt eine billige und ungetrübte Freude an dem was man leistet hervorbringt, und ein reiner Genuß an dem Beyfall, den man er hält.
abgeschickt den 28t September 1807. (Rie später erg.)
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