Normalzeugnis Zeugnis

Wieland an Gleim Sept. 1776 (Wieland, Ausgew. Briefe 3, 261)

Sie, mein Liebster, haben noch einen Pik gegen diesen edlen herrlichen jungen Mann Goethe, den ich schon lange wie meinen Augapfel liebe. Sie brauchten ihn aber nur etliche Tage in der Nähe zu sehn, so würde er Ihnen fast so lieb werden, als mir. In diesen zehn Monaten, die ich nun mit ihm gelebt habe, ist – ein einziges Mißverständniß ausgenommen, das aber nicht länger als eine Stunde dauerte – (und auch dieß begegnete schon vor mehr als sechs Monaten) kein Augenblick gewesen, wo Göthe und ich nicht in der reinsten Harmonie zusammen existirt hätten. Sein Angesicht zu sehen, ist für mich eine Art von Bedürfniß worden. Wenn er hier ist, sehen wir uns beynahe alle Tage. Alles in meinem Hause, Mutter, Weib und Kinder lieben ihn. Kurz, bester Gleim, so seltsam und unglaublich es der Welt vorkommt, so ist’s nun so und nicht anders. Vor kurzem hat Göthe mein Bild en profil gezeichnet. Es ist wunderbar charakteristisch, und unstreitig das einzige das mir ganz ähnlich sieht. Wirklich wird es dem Medailleur Abramson nach Berlin geschickt, der mich schon lange um mein Bildniß peinigt. Überhaupt, mein Lieber, glauben Sie von allem Bösen, was die Dame Fama von Weimar, und dem Herzog und Göthen und der ganzen Wirthschaft aus ihrer schändlichen Hintertrompete in die Welt hineinbläßt, kein Wort. Dieß ist das einzige Mittel, nicht betrogen zu werden. Komm und siehe!

Bezüge im Wissensnetz

Erwähnt (2)

GZP-Knowledge-Graph

Teil von (2)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Fand statt in (1)

GZP-Knowledge-Graph

Geschaffen von (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen