Normalzeugnis Zeugnis

An F. v. Stein 4. 1. 1787 (WA IV 8, 112)

Neulich sind wir in der Peterskirche fast (wie man zu sagen pflegt) über den Pabst gefallen. Wir gingen nach Tische in der Kirche herum und besahen die schönen Steinarten, womit Alles ausgeziert ist. Tischbein zeigte mir eben einen vorzüglich schön gezeichneten Alabaster (eigentlich Kalkspath) an einem Grabmale, als ich ihm auf einmal in die Ohren sagte: da ist der Pabst. Ihro Heiligkeit knieten wirklich in langem weißem Gewande mit der rothen Schnur an einem Pfeiler und beteten. Die Monsignores vom Gefolge, davon einer den rothen goldbesetzten Hut hielt, standen mit ihren Brevieren nicht weit davon und sprachen mit einander, und anstatt einer feierlichen Stille machten die Leute, welche in der Peterskirche zu reinigen haben, einen Lärm auf den andern, damit der Pabst sie und ihren Fleiß bemerken sollte, denn wie er weg war, feierten sie auch wieder. Wenn man dem Pabst begegnet, es sey wo es wolle, so kniet man nieder um den Segen zu empfangen. Er hat keinen Bart, sondern sieht aus wie die Paste die du kennst, nur daß er älter.

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