Normalzeugnis Zeugnis
Böttiger an F. Vieweg 8. 4. 1797 (Dreyer S. 152)
Göthe wünscht, daß der würdige Hr. Professor Schadow durch Sie dahin bewogen werden könnte, vor dem leeren Blatt jedes mit einer Muse (nach Maaßgabe beyfolgender Musterangabe) zu bezeichnenden Gesanges eine Muse grade in der Manier zu geben, wie er die Stellungen der Vigano gab. Diese kecke Skizzenmanier würde sich freilich nur für die geringere Ausgabe schicken, aber grade die Kenner bewegen, sich neben der niedlichern und prächtigern auch diese anzuschaffen. Hr. Schadow, fährt Göthe fort, habe gewiß selbst die schönsten Zeichnungen von Musen in seinen Portefeuilles. Indeß steht Göthe selbst mit einer meisterhaften Zeichnung von Meyer nach dem bekannten Basrelief, wo alle Musen neben einander gestellt sind, erforderlichen Falls zu Befehl. Könnte nun Hr. Schadow, so heißt es weiter, gar bewogen werden, wo nicht selbst, doch durch einen seiner Schüler und unter seiner unmittelbaren Aufsicht auch zu den eleganten Ausgaben, etwa aus alten Gemmen auch neue feinere Umrisse der 9 Musen zu veranstalten, die aber nicht mit jenen übereinkommen dürften: so wäre auch dieß eine schöne Kunst- und Musenausstattung für die bessere Ausgabe. Auch dazu sollten von Göthe und mir erforderlichen Falls Vorschläge gethan werden. Diese Zeichnungen nach Gemmen könnten übrigens bloße Umrisse seyn, weil die Ausführung bey der Kürze der Zeit unmöglich seyn dürfte. Aber alles dieß ist bloß auf Hr. Schadow gestellt. Von irgend einen andern mag Göthe durchaus nichts zugethan haben: die unglückliche Ausführung der vorgeblichen Muse im Schillerschen Musenalmanach 97 nach einer Schadowischen Skizze hat Göthe sehr bitter gegen andere Künstler gemacht, und daß dünkt mich, von Rechts wegen ...
Ueber 8 Tage erfolgt die erste Hälfte des Gedichts gewiß. Heute erhalt ich sie von Göthe zur letzten Revision. –
Und nun küssen Sie mich, mein Bester! ich habe vorläufig schon viel gearbeitet, daß Ihnen auch das zweite Gedicht, in höherer Region gesungen, zu Theil werde. Er hat mir zwar noch nichts versprochen. Aber ich hoffe das Beste! Darüber jetzt kein Wort mehr. Zur Messe ein Mehreres ...
Unter andern wäre auch die Rede von einem neuen Journal, das der großherzigste und untadelhafteste unserer großen Schriftsteller mit Unterschrift seines Nahmens herauszugeben gedenkt, und das ich Ihnen schon fast so gut, als gewonnen habe.
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