Tagebucheintrag

Reisetagebuch Italien 1786, 24. September 1786

d. 24. S. Es geht immer den alten Weg. Früh wird an der Iph. gearbeitetund ich hoffe sie soll euch freuen da sie unter diesem Himmelreif geworden, wo man den ganzen Tag nicht an seinen Körperdenkt sondern wo es einem gleich wohl ist. Gestern ging ich mitdem Stück in der Tasche auf den Campo Marzo und sah am Berge gegenüber ein Paar gar artige Gegenstände, ich zeichnetesie geschwind auf das vordere und hintere weiße Blat des Stücksund du erhälst sie mit diesem. Viele Hundert ia tausend solcherBlätter und Blätgen könnte man im Bezirck einer Stunde hierzeichnen, ich darf mich nur jetzt nicht drauf einlassen. Heut sah ich die Villa Valmarano die Tiepolo dekorirt und allenseinen Tugenden und Fehlern freyen Lauf gelassen hat. Derhohe Styl gelang ihm nicht wie der natürliche, und in diesemletzten sind köstliche Sachen da, im Ganzen aber als Dekorationgar fröhlich und brav. An der Architecktur geh ich denn immer so hin, mit meinemselbstgeschnitzten Maasstab und reiche weit, freylich fehlt mirviel, indeß wollen wir damit vorlieb nehmen und nur brav einsammeln.Die Hauptsache ist daß alle diese Gegenstände, dienun schon über 30 Jahre auf meine Imagination abwesend gewürckt haben und also alle zu hoch stehn, nun in den ordentlichen Cammer- und Haus Ton der Coexistenz herunter gestimmtwerden. Ich lebe sehr diät und halte mich ruhig damit die Gegenständekeine erhöhte Seele finden, sondern die Seele erhöhen. Im lezten Falle ist man dem Irthum weit weniger ausgesezt als im ersten. Und dann freu ich mich dir zu schreiben, wie ich mich freue vorden Gegenstand mit dir sprechen und meiner Geliebten alles indie Ferne zuzuschicken was ich ihr einmal in der Nähe zu erzählenhoffe. Dann macht es mir auch einen frohen Gedanken daß du das Gegenwärtige und noch mehr in 6 Wochen längstens haben kannst. Doch muß man auf alle Fälle wieder und wieder sehn, wennman einen reinen Eindruck der Gegenstände gewinnen will. Esist ein sonderbares Ding um den ersten Eindruck, er ist immer ein Gemisch von Wahrheit und Lüge im hohen Grade. ich kannnoch nicht recht herauskriegen wie es damit ist. Ich sehe immer mit Betrübniß das Tyroler Gebirg trübe, wahrscheinl.habt ihr übel Wetter, hier regnets einmal, doch ists baldwieder schön. Die Morgende und Abende sind kühl.

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