Normalzeugnis Zeugnis
Bettina v. Arnim, Goethes Briefwechsel mit einem Kinde (Oehlke 3, 499)
Nach Elisabeth Goethe Oft sah er nach den Sternen, von denen man ihm sagte, daß sie bei seiner Geburt eingestanden haben, hier mußte die Einbildungskraft der Mutter oft das Unmögliche tun, um seinen Forschungen Genüge zu leisten, und so hatte er bald heraus, daß Jupiter und Venus die Regenten und Beschützer seiner Geschicke sein würden; kein Spielwerk konnte ihn nun mehr fesseln, als das Zahlbrett seines Vaters, auf dem er mit Zahlpfennigen die Stellung der Gestirne nachmachte, wie er sie gesehen hatte; er stellte dieses Zahlbrett an sein Bett und glaubte sich dadurch dem Einfluß seiner günstigen Sterne näher gerückt; er sagte auch oft zur Mutter sorgenvoll: „Die Sterne werden mich doch nicht vergessen und werden halten, was sie bei meiner Wiege versprochen haben?“ – Da sagte die Mutter: „Warum willst du denn mit Gewalt den Beistand der Sterne, da wir andre doch ohne sie fertig werden müssen,“ da sagte er ganz stolz: „Mit dem, was andern Leuten genügt, kann ich nicht fertig werden;“ damals war er sieben Jahr alt.
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