Normalzeugnis Zeugnis
J. G. Hasencamp, Tagebuch (Bach S. 146)
In Elberfeld kehrten wir bei dem dienstfertigen Caspari ein, uns ein wenig auszuruhen ... Hier trafen wir den frankfurtischen Zuchtmeister unsern Dichter Herrn Doctor Goethen, nebst einem andern Gelehrten Heinse, den einige den zweiten Wieland, der sich selbst aber Rost nennet. Jenem schlug ich vor, ob nicht Klopstoks Messiade so umgearbeitet werden dürfte, daß alle Scholastischen Ideen, die das Evangelium der Herrlichkeit verdunkeln mit lauter Schriftwahrheiten vertauscht würden? Wir sollen reden, wie der König der Wahrheit. Ich ersuchte ihn auch, wie Gellert eine Comödie geschrieben: Die Bethschwester. So möchte er eine schreiben: die Gebeths-Verehrer. Er war nicht unwillig dazu. Die Ungläubigen, wenn sie die Zweifel überwinden, werden hernach die besten Vertheidiger des Glaubens.
Der erfahrne Mystiker unser redlicher Teschemacher, redete hier mit Lavater von der Eitelkeit der Gelehrten, und von der Gefahr bei ihrer Vielgeschäftigkeit u. Gemeinnützigkeit ihre eigne Heiligung zu versäumen. Der gelehrte Mystiker, unser Poetischer Doct. Jung erhob des seel. Richters Lieder u. sang u. spielte uns vor aus dem Liede: O Salomo! Dein freundliches Regieren Terstegens Lieder wurden auch gelobet u. Caspari machte Lavatern damit ein Geschenk.
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