Normalzeugnis Zeugnis

K. v. Stein an F. v. Stein 11. 6. 1799 (*Rohmann S. 72; FDH)

Die Zeit verändert die Mädgens unglaublich in wenig Augenblicken, oder Jahren. Wen sie aber von Seiten des Körpers unkenntlich gemacht hat, ist Göthe. Sein Gang ist überaus langsam, sein Bauch nach unten zu hervorstehend wie der einer hochschwangern Frau, sein Kinn ganz an den Hals herangezogen von einer Waßersuppe dichte umgeben. Seine Backen dick sein Mund in halber Mondsform, seine Augen allein noch gen Himmel gerichtet, sein Huth aber noch mehr – und sein ganzer Ausdruck eine Art von selbstzufriedener Gleichgültigkeit ohne eigentlich froh auszusehen. Er dauert mich der schöne Mann, der so edel in dem Ausdruck seines Körpers war. Meine Mutter gab uns zu ehren einen nebst mehrern Thés vor ihrem Haus. Hr. v. Haren Hr Gerning Grf Dumanoir pppp waren da. sie ließ den vorbeygehenden Göthe einladen, diesem war dieß unheimlich, er setzte sich hin sprach nichts, und machte ein entsetzlich verdrüßlich Gesicht. Haben Sie Nachricht Frau v. Stein von dem Hr. Kriegsrath aus Breslau war alles was er unaufgefordert an discours hervorgehen ließ. Noch mißvergnügter über den Thee wie Göthe war aber Schach ... da in kurzem 14 Stühle aus dem Haus heraus transportirt werden mußten.

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