Brief

Von Friedrich Schiller (16. Oktober 1795)

Überlegungen zum Fernsein G.s und zur Tatsache, daß G. so in die Welt hinein geworfen sei. Es gebe für S. gegen eine Stunde des Muths und Vertrauens immer zehen, in denen er kleinmüthig und unsicher sei. Deshalb habe ihm G.s positives Urteil über seine Gedichte große Freude bereitet. Soviel habe ich nun aus gewißer Erfahrung, daß nur strenge Bestimmtheit der Gedanken zu einer Leichtigkeit verhilft. Gedanken zur eigenen Arbeitsweise als Dichter und als Philosoph. - Dem von G. für die Veröffentlichung in den "Horen" übersetzten "Versuch über die Dichtungen" von A. L. G. von Staël-Holstein sehe S. mit vieler Erwartung entgegen; satztechnische Bemerkungen dazu. Herder habe für das 11. Stück der "Horen" den Aufsatz "Das Fest der Grazien" geschickt und einen weiteren für das 12. Stück versprochen ("Iduna oder der Apfel der Verjüngung"). S. holfe, seine Abhandlung "Über das Naive" für das 11. Stück vollenden zu können, und habe außerdem noch einige Schnurren zum Druck bereit, die er G. anbei übersende. Erwähnung von "Die Teilung der Erde". In "Die Taten der Philosophen" habe sich S. über den Satz des Widerspruchs lustig gemacht. - Für die folgenden Teile von "Wilhelm Meisters Lehrjahren" wolle S. eine neue Art von Critik, nach einer genetischen Methode, [...] versuchen. - Bitte um Nachricht von J. H. Meyer.

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