Brief
An Wilhelmine von Münchhausen (16. Januar 1831)
AN WILHELMINE VON MÜNCHHAUSEN
Aus Beygehendem werden Sie Sich, meine Theuerste, gern überzeugen wie lange der treue Freund, schon auf Ihre Gegenwart, oder wenigstens auf die Ankunft der Bötin hofft, um Ihnen zum Christfeste, zum neuen Jahr, und endlich zu Epiphanias Glück zu wünschen und Ihnen das Herzlichste zu versichern.
Nun aber haben Sie den tiefempfundenen Danck, daß Sie, ungeachtet der strengen Jahreszeit, meine Sehnsucht befriedigen mögen. Hiebey bleiben Sie versichert daß die kurze Zeit wo ich Sie sehen und mich Ihres fortdaurenden Wohlwollens versichern kann mir von dem größten Werth ist und mich um desto lebhafter empfinden läßt wie meine Anhänglichkeit an eine geprüfte Freundin nichts von ihrer Innigkeit verlohren hat. Lassen Sie mich hoffen, daß auch Sie in gleicher Gesinnung verharren.
Tausendmal wiederholten Danck und die Aussicht: das, ins Beßere wachsende Jahr werde Sie mir öfters wiedergeben. Den schönen wackern Knaben gewöhnen Sie indessen, und anfänglich durch Zuckerpuppen, meiner gern zu gedencken. Dem Herrn Gemahl sprechen Sie freundlichst aus: wie sehr ich ihm verpflichtet bin daß er mir seine Lieben zuführen wollen.
Unwandelbarder IhrigeJWvGoethe
Weimar d. 16ten Januar 1831.
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