Brief
Von Karoline von Wolzogen (22. März 1824)
W. von Humboldt habe der Familie Schiller mitgeteilt, dass G. jezt wünsche, seine mit F. von Schiller gewechselten Briefe zusammenzustellen, sie der Welt mitzutheilen u. die Gesinnung der Familie darüber wissen wolle, wie jeden das Seine dabei zu Theil werden könne. W. habe es als ein Vermächtnis ihres verstorbenen Mannes und anstelle ihrer durch den leidenden Augenzustand gehinderten Schwester übernommen, G. die gemeinsame Ansicht dazu mitzuteilen. Sie erinnert daran, dass die Briefe nach Schillers Tod nicht, wie es üblich sei, ausgetauscht worden seien. Ihr Mann habe es als Vormund von Schillers Kindern und in dem Bewusstsein, dass die vertrauliche Wechselrede der ersten Geister unsres, u. vieler Jahrhunderte [...] für die Nachwelt einen unberechenbaren Werth haben werde, für seine Pflicht gehalten, G.s Briefe in Sicherheit u. Ordnung aufzubewahren. F. J. von Cotta habe sich immer als Ehrenmann u. Freund der Familie bezeigt: er werde nicht anstehen 4000. Gulden für diese einzig merckwürdige Correspondenz zu geben (vgl. "Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe in den Jahren 1794 bis 1805") und die Hälfte der Einnahmen den Schillerschen Kindern zu garantieren. Nach Cottas Zustimmung werde G. seine Briefe an F. von Schiller erhalten. C. von Schiller bitte G., ihr nach Abschluss der Arbeiten die Originale der Briefe ihres Mannes als einen theuren Schatz des Herzens zurückzugeben oder zu verfügen, daß er nie in fremde Hände fällt. Zunächst wünsche sie F. von Schillers Briefe an W. von Humboldt zu besitzen (vgl. RA 10, Nr. 445). W. sei sicher, dass G. im Sinne der Schillerschen Familie handeln werde, so wie F. von Schiller gegenüber G.s Familie gehandelt haben würde. - In ihren einsamen Stunden beschäftige sich W. viel mit F. von Schiller. Wäre er nicht so früh verstorben, so hätte er vielleicht selbst sein Leben dargestellt, wie es G. getan habe (vgl. "Dichtung und Wahrheit"). So schreibe W. manches darüber auf, was in ihrem Pult verschloßen bleibe (vgl. "Schillers Leben"); erwähnt: die abgeschmackten Lebensbeschreiber, die den Dichter unwürdig behandelten. - Gedanken über das herannahende Alter.
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